Sonntag, 27. Oktober 2013

Experiment vegan - das erste Jahr | mehr Hummeln

Aber bevor ich das Thema beginne, möchte ich auch hier nochmal der Silberweide ein großes Dankeschön für diese Überraschungspost aussprechen:


Ich habe mich wirklich total gefreut - erstmal über die Post an sich und dann über den lieben Zuspruch auf der Rückseite. Danke! Und ich glaube, der Zuspruch und die vielen guten Wünsche meiner Freunde wirken schon ein wenig:

Gestern bin ich zum ersten Mal in meinem Leben angemessen bezahlt worden. Vor 10 Tagen fragte mich die Oma einer Schülerin, ob ich nicht auf der Hochzeit ihrer Tochter ein wenig spielen könnte. Ich überlegte ein wenig - mein Solorepertoire am Klavier für solche Anlässe ist begrenzt, da ich Löffelmugge immer als Begleitung gemacht habe -, und schlug dann vor, daß ich einen Kollegen mitbringe. Geige und Klavier oder so. Die Oma war begeistert und meinte, das würde schon auch irgendwie bezahlt werden, ist ja alles nicht um die Ecke und wir hätten Aufwand und so.
Meine Geiger konnten alle nicht, aber die Klarinette rief gleich "hier", und so trafen wir uns gestern, sichteten 2 Stunden Repertoire und probten und fuhren dann los. Wir sollten eine Stunde als Begleitung zum Essen spielen. Zwischendurch kam Oma noch einmal kurz heran, brachte uns ein Getränk und sagte, wir sollten ihrem Mann später sagen, was wir uns geldlich so vorstellen.
Nun hatten wir beide die handelsüblichen Sätze im Hinterkopf, wußten aber auch nicht, wie gut betucht diese Leute hier sind und ob man den handelsüblichen Satz ohne Vorabsprache verlangen kann. Wir entschlossen uns also, den Satz für uns beide gemeinsam einzureichen und sollte ihnen das auch zuviel sein, noch maximal 50 Euro runterzugehen. Als es ans Verabschieden ging und die Großeltern wieder fragten, sagte ich also die Summe. Die Klarinettistin neben mir quietschte mit hochrotem Kopf irgendwas dazwischen, das ich nicht richtig verstand, weil alle um uns durcheinander redeten. Der Großvater verschwand und kehrte mit zwei Umschlägen wieder, die er uns in die Hand drückte.
Dann folgte ein langer, langer Abschied, in dem der Mann mich seiner vollen Unterstützung versicherte (er ist hier politisch aktiv und steht einem Kulturverein vor und kennt meine Arbeitssituation in Job B vom ersten Tag an), was er sehr konkret meinte, denn er hat Pläne, für die er mich gerne einsetzen will, und seine Frau etwas von ihrer bevorstehenden Goldenen Hochzeit murmelte.

Auf dem Weg zum Auto öffnete ich den Umschlag, weil die Klarinette beide Hände voll hatte. Nun muß man sagen, daß wir beide derzeit in fast derselben beruflichen Situation sind. Witzigerweise haben wir darüberhinaus schon oft festgestellt, daß wir die erstaunlichsten schönen und unschönen Dinge gemeinsam haben - das ist auch so eine Hummel für mich, solche Leute kennen zu dürfen. Jedenfalls geht es für uns beide beruflich gerade eher bergab, aber das fühlt sich wider besseren Wissens gut an, denn unterrichten wollten wir eigentlich eh nie. Und daß wir deshalb beide kein Geld haben, versuchen wir gekonnt zu verdrängen.
Im Umschlag war das Doppelte von dem, was ich verlangt hatte. Der handelsübliche Satz tatsächlich für jeden von uns. Ich starrte auf das Geld. Alter Schwede. Wann habe ich schonmal soviel Geld auf einmal in der Hand gehabt? Ich kann mich nicht erinnern. "Ach", sprach die Klarinette, "gut daß ich dazwischengequietscht habe, auch wenn ich selbst vor Schreck fast ohnmächtig geworden wäre." - "Was hast Du denn eigentlich gesagt?", fragte ich. - "Pro Person!" quietschte sie wieder, lief hochrot an und wir bekamen einen Lachflash.

Wer braucht schon einen Job B, wenn er eine Klarinette haben kann? Ich werde sie mir jetzt immer einpacken, wenn ich wo spielen soll, und behaupten, sie sei mein Manager.

So, damit zum Hauptthema des Blogposts. Dazu ein wenig Obst. =)



Mein vor einem Jahr gestartetes Experiment Vegan hat meiner Meinung nach jetzt mal eine gewisse Rückschau verdient. Ich habe es ja gestartet unter der Maßgabe, daß ich es abbreche, wenn es mir nicht gut tut. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß jeder menschliche Körper andere Dinge braucht. Ich persönlich fand Milch, Sahne und Co schon immer würgereizverursachend widerlich, aber wenn jemand genau darin totalen Genuß findet, nun, soll er.

Was hat sich nun in diesem Jahr getan? Ich teile die Antwort auf diese Frage mal in einige Unterbereiche. Das erste, weil vielleicht am direktesten Ablesbare:

körperlich

Ich bin schon immer ein unregelmäßiger Esser. Pünktliche Mahlzeiten funktionieren bei mir nicht, ich esse, wenn ich Hunger bekomme. Das kann auch mal den ganzen Tag gar nichts sein bis ich dann um Mitternacht Heißhunger bekomme und sofort eine Pizza haben muß, oder ich esse den ganzen Tag alles mögliche um mich herum.
Was sich jetzt aber verändert hat, ist vor allem: Ich esse unwahrscheinlich gerne. Ich liebe es, zu essen. Ich liebe die kleinen Geschmacksexplosionen des Aromas einer schlichten reifen Tomate auf meiner Zunge, ich schmecke den Unterschied zwischen verschiedenen Nudelsorten, ich trinke meine Unmengen selbstgemahlenen Kaffee mit Genuß, schmecke jeden Schluck und freue mich an ihm. Geschmäcker sind also intensiver geworden.
Außerdem esse ich mehr, und das mit deutlich weniger Schuldgefühlen. Kein "das sollte ich jetzt eigentlich nicht, das macht dick" mehr. Soja- oder Dinkelsahne enthalten etwa ein Drittel bis die Hälfte des Fettes normaler Sahne, ich esse Gemüse total gerne roh und werde so schnell satt, ohne meinem Körper extra Satteltaschen aufzubürden. Ich habe auch auf Dickmacher, die ich essen dürfte, überhaupt keine Lust mehr, weil das alles irgendwie künstlich schmeckt. Eingelegtes Obst zum Beispiel, zu Studienzeiten einer meiner Hauptzuckerlieferanten, finde ich inzwischen ziemlich wäh. Schokolade. Was hatte ich vor einem Jahr Angst, daß ich nur wegen meiner Schokoladensucht nicht durchhalte. Doch dann stellte sich heraus: Die Sucht tat das, was alles Süchte tun, wenn man lange genug ohne das Suchtmittel auskommt, nämlich enden. Ich finde Schokolade immer noch sehr lecker, aber ich brauche sie nicht mehr. Dieses Gefühl, mein Körper müsse jetzt etwas Süßes haben, existiert nicht mehr. Er kann und darf, aber die Entscheidung liegt nicht mehr bei ihm. ;-)

Ich habe in diesem Jahr, ohne es zu bemerken und ohne meinen Lebensstil was sportliche Betätigung betrifft großartig zu verändern, abgenommen. Erst als ich Anfang Oktober meine drei Ruhrgebietsfreundinnen traf und alle innerhalb der ersten Minuten konstatierten, ich sei ja schon wieder dünner geworden, kam ich mal auf den Gedanken, mich bei meiner Rückkehr auf die Waage zu stellen. Tatsache, 5 Kilo. Und ich dachte immer, die Hosen werden vom Waschen weiter.

Ich bin außerdem wieder beweglicher. Hey, ich kann wieder Spagat! Gut, das ist jetzt nichts, was man unbedingt zum Leben braucht, aber ich freue mich trotzdem darüber, denn die letzten 10 Jahre bin ich eher unbeweglich geworden. Durch 5 rhythms, was ich allerdings nur 3 oder 4 Mal dieses Jahr gemacht habe (und worüber ich definitiv noch extra schreiben werde), kam bei mir die Lust am Tanzen, am Bewegen, und ich denke, durch das vegane Essen kam auch wieder die Befähigung dazu. Ich tanze oft hier durch meine große offene Küche, völlig unkompliziert, mein Körper tut alles, was mein Bewegungsdrang vorschlägt.

Ich bin robuster geworden. Meine einzige fiese Krankheit war die seltsame Ohnmacht nach Bauchkrämpfen im Mai, und die halte ich für psychosomatisch. Aber gerade in den letzten Wochen, als alles um mich herum bis zu einem Monat mit Fieber im Bett lag, hatte ich nichts als einen heftigen Schnupfen. Ich habe geschnoddert ohne Ende, ja, aber kein Fieber, kein Folgehusten, kein Kopfweh, gar nichts.
Oh ja, und die Wadenkrämpfe, die ich früher gelegentlich hatte, sind komplett verschwunden.


seelisch

Der wichtigste Punkt hier ist wahrscheinlich das, was ich oben schon schrieb: Ich esse ohne Schuldgefühle und dafür mit unendlich viel Genuß. Das verändert die Qualität einer Mahlzeit enorm, ob man sie nun im Stehen an der Haustür einnimmt und sich dabei diebisch freut, weil es so lecker ist, oder ob man sich die Zeit für Tischtuch und Kerzenlicht nimmt. Nicht das Ambiente macht die Mahlzeit besser, sondern der Inhalt und die eigene Rezeption dessen.

Ich habe auch das Gefühl, daß mein Hang, mich gedanklich-emotional in schwarzen Löchern zu verlieren, geringer geworden ist. Vor zwei Jahren hat mich in einer eiskalten Januarnacht am Berliner Hauptbahnhof noch ein Bettler, der mit ausgestreckter Hand auf mich zukam, nach einem Blick in mein Gesicht völlig erschrocken gefragt, ob ich Hilfe bräuchte, ob ich schon einen Platz zum Übernachten hätte. Das hat mich ziemlich schockiert und wachgerüttelt, deshalb habe ich unter anderem mit Johanniskraut letztes Jahr dagegengesteuert.
Normalerweise würde jetzt die Laif-Saison schon wieder losgehen und die Packung steht in der Küche, aber… mir geht es prima.

Das liegt nicht nur an der Ernährung, da spielen auch viele andere, vor allem zwischenmenschliche Dinge eine Rolle, aber da es auch in diesem Jahr passiert, finde ich es zumindest bedenkenswert.


gesellschaftlich-sozial

Ooooh ja. ^^ Auf der Haben-Seite: Eine engere Familie, die zur Hälfte gleichzeitig mit mir oder kurz vorher begonnen hat, vegan zu essen. Meine Mutter, eine meiner Schwestern samt Gatte, meine erwachsene Nichte und ihr Mann - da kommt man sich auf den großen Familienfeiern nicht wie ein Outcast vor, sondern da wird eben so gekocht, daß es funktioniert. Meine allesfressende Schwägerin, die üblicherweise das Kochen übernimmt, macht dann z.B. einen Riesentopf Nudeln und 5 verschiedene Saucen dazu, dann ist für jeden etwas dabei. Kuchenbacken vegan ist zu einem Wettbewerb zwischen Mama und Schwester geworden, während die Nichte sich mehr auf Kekse spezialisiert hat. Ich selbst bin noch nie ein großer Kuchen- und Keksfan gewesen und greife lieber zu Nüssen und Obst, daher halte ich mich aus dem Backwahn raus. ^^

Auch schön ist, daß mein Bruder eines Tages anrief und sagte: "Ich wollte Dir nur mitteilen, daß ich seit heute früh beim Joggen Vegetarier bin. Du machst das ja jetzt schon fast 20 Jahre und es scheint Dir immer noch gut zu gehen, und ich habe nachgedacht und glaube, das ist gut für mich." Das ist 10 Monate her und er zieht es immer noch ohne jedes Problem durch.


(Kleiner Einschub: ein nagendes Gefühl befahl mir gerade, den Dienstplan von Job A zu checken, und wirklich beginnt die Vorstellung heute 3 Stunden früher. Ich schreibe das hier also heute Abend zu Ende.)

Halb neun Abends. Hummel wieder da mit einer weiteren guten Nachricht - eine Kollegin will mir einen Gutteil ihrer Dienste in Job A in den nächsten 2 Monaten abtreten, weil sie woanders engagiert ist. Das kommt mir finanziell sehr entgegen. Außerdem habe ich schon mit Grauen auf eine Adventszeit mit freien Wochenenden geblickt - das hatte ich nicht mehr, seit ich 12 war. Aber dieses furchtbare Schicksal scheint abgewendet zu sein; am 1. Feiertag habe ich sogar Doppeldienst. ;-)

Zurück zum Thema.

Was in der engeren Familie wunderbar funktioniert, stößt schon im ersten nicht mehr ganz inneren Kreis, sprich: Onkel und Tanten, auf völliges Unverständnis. Ein typischer Dialog mit einem Paar dieser Generation 70+ welches sich verzweifelt bemüht, irgendwas Gutes an unserer Ernährung zu finden, läuft so ab:

Onkel: Die Chinesen essen ja Hunde und Katzen.
Ich: *starr*
Tante: Wir gehen auch nicht mehr zum Chinesen.
Ich: *beginne leicht zu schielen*
Onkel: Nein, sowas essen wir auch nicht.
Mama: Und was ist der Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund? Die haben doch dieselbe Intelligenz. Nur, weil sie kein Fell haben und nicht so niedlich sind?
Ich denke bei mir: Oh Gott, sie tut es schon wieder. Sie redet mit Wänden.
Tante: Nein, also Hunde, das tut man einfach nicht. Da gibt es natürliche moralische Gründe.
Ich (kann nicht an mich halten): Vor hundert Jahren hat man in der Schweiz auch noch Hunde als Nutztiere gehalten und gegessen.
Tante: Na die Chinesen machen das ja auch.
Onkel: Wir gehen auch nicht mehr zum Chinesen.

Hummel und Hummelmama tauschen einen schweigenden Blick, der besagt: Wenn wir das weiterführen, schmilzt uns das Hirn, und dann gehen wir bestimmt auch nicht mehr zum Chinesen, deshalb reden wir lieber über was anderes.

Auch nett war meine Begegnung im Supermarkt, als ich das erste Mal nach bestimmten veganen Dingen gesucht habe. Ich fragte die Frau an der Information danach und der Kaufhausdetektiv schlenderte herbei. Während er meine Frage hörte, fiel die auf Hüfthöhe angebrachte Schwingtür zu und traf ihn mit mittlerer Wucht in der Lendengegend. Leicht zusammengekrümmt jaulte er auf und versuchte, die Peinlichkeit mit einem Witz zu überspielen: Wenn das so weitergeht, werde ich auch noch zum Veganer.

Ich konnte wieder nur starren. Bedeutet vegan zu essen, daß man entmannt, seiner Urkraft beraubt und weibisch-verweichlicht ist? Offenbar zumindest in einigen Köpfen.

Und besonders interessant sind immer die Reaktionen von Menschen, die ich neu kennenlerne, die also nicht wissen, wieso und warum und die mich als Persönlichkeit nicht einschätzen können. Ich bin jemand, der es absolut haßt, erzogen, manipuliert oder missioniert zu werden. Ich denke gerne selbst, daher nehme ich auch gerne sachliche Kritik entgegen oder höre mir begeisterte Selbsterfahrungsberichte an, um danach mein eigenes Urteil zu fällen - alles andere empfinde ich als Beleidigung meiner Intelligenz.
Und weil das so ist, missioniere ich auch nicht. Ich beantworte Fragen, wenn sie gestellt werden, aber wenn nicht, dann nicht, ich bin ganz sicher kein Zeuge Veganovas und mir ist völlig egal, was andere Leute essen, denn ich denke wie gesagt, daß jeder Körper andere Dinge essentiell braucht oder verträgt, und ich denke auch, daß es im Leben mancher Menschen einfach andere zu bearbeitende Themen gibt.

Aber: Die Omnivoren lassen mich ja nicht so leicht davonkommen. Beispiel. Im September traf ich drei Bekannte, die ich bis dahin nur flüchtig aus einem Onlinespiel kannte, zum ersten Mal persönlich. Zwei junge Frauen und ein Mann an die 40, der nicht nur schwer übergewichtig ist und seit Jahren Gelenkprobleme hat (ich schreibe jetzt nichts über tierisches Eiweiß und Osteoporose, ich will ja nur auf meine eigenen Erfahrungen zurückblicken), sondern nach eigener Aussage auch sehr tolerant. Er würde niemanden in Frage stellen, sagte er mehrmals, und solange er nicht missioniert würde, wäre alles in Ordnung.
Die beiden Mädels sagten gar nichts, sondern gaben mir von ihren Pommes ab. Der Vorsatz des Mannes, meine Meinung zu respektieren, solange ich sie für mich behalte, hielt genau eineinhalb Minuten. Dann platzte es aus ihm heraus:

"Das ist aber schon sehr radikal!"
"Hmm", machte ich, in Ermangelung einer besseren Idee. Ich hatte weder Lust noch Erlaubnis, zu disputieren, und ich kannte ihn ja erst eine halbe Stunde.
Er schwieg kurz. Dann: "Und das ist klar: Der Mensch ist von Natur aus ein Allesfresser."
"Hmm", machte ich wieder und mümmelte eine Fritte.
"Man braucht Eiweiß!"
"Kriegt man ja auch", sagte ich und verwies auf eine gefühlte Million eiweißhaltiger Pflanzenarten.
"Aber da gibt es doch auch andere Mangelerscheinungen."
"Vitamin B12", sagte ich, und dem ist leicht vorzubeugen.

Das Gespräch hielt sich über 2 Stunden, immer wieder von anderen Themen unterbrochen. Er konnte es einfach nicht loslassen. Und er ist nur ein Beispiel von vielen, durchaus keine Ausnahme.

Deshalb denke ich, daß allein durch die Tatsache, daß jemand sagt, er sei Veganer aus mehreren Gründen, viele Leute sich unvermittelt in einer Situation sehen, in der sie ihre eigenen Gewohnheiten reflektieren müssen. Sie werden vor die Frage gestellt, ob sie selbst auch moralische Grundsätze haben, die stark genug sind, Konsequenzen im bequemen Alltag zu finden, und das piekst einen natürlich an. Deshalb wird erstmal diskutiert. =)
Und mir ist noch fast niemand begegnet, der mir einfach glaubt, wenn ich sage, es sei mir egal, was er ißt, solange ihm egal ist, was ich esse. Es gibt immer Diskussionen, und sie laufen immer nach dem "Hmm"-Schema ab. Die Leute, die mich mit meinem Veganismus einfach hinnehmen können, sind fast ausnahmslos Menschen, die selbst viel nachdenken und sich um größtmögliche Integrität bemühen. Das muß nichts mit ihren Ernährungsgewohnheiten zu tun haben, sondern kann sich ganz woanders niederschlagen, aber sie erkennen sozusagen eine verwandte Seele, eine Person, die es sich selbst nicht immer nur leicht macht und es damit auch ihrer Umgebung nicht immer nur leicht macht - und anerkennen das total unkompliziert.


finanziell

Finanziell habe ich keinen Unterschied zum Negativen hin festgestellt. Das liegt vor allem daran, daß ich keinen überteuerten Käseersatz im Reformhaus kaufe, weil ich es mir einfach nicht leisten kann, sondern entweder selbst Aufstriche und "Parmesan" mache, oder welche von meiner Mama abbekomme, oder diese leckere Pseudowurst bei Aldi kaufe, oder weil ich einfach nichts so yummie finde wie ein getoastetes Brot mit Tomatenscheiben und etwas Pfeffer drauf.
Wer komplett ersetzt, was er vorher gegessen hat, hat vermutlich auch mehr Ausgaben, aber ein in Hühnchenform gepreßtes Stück Sojaschnitzel erscheint mir ziemlich pervers und nach all den Jahren Vegetariersein habe ich da auch lange kein Verlangen mehr nach.


zusammengefaßt

geht es mir großartig damit und ich werde es beibehalten. Dinge schmecken mir besser, stärker, intensiver. Mein Körper fühlt sich angenehm beweglich, gut geerdet und gesund an. Ich liebe meine bunten, lebendigen Einkaufskörbe und ich habe richtig Spaß daran bekommen, in der Küche mit Gemüsesorten herumzuexperimentieren, die mir beim Einkaufen entgegengelacht haben.

Wichtig ist genau wie in jeder anderen Art, sich zu ernähren, daß man nicht einseitig wird - wie der berühmte Puddingvegetarier. Immer schön von allem und von dem Guten etwas mehr. ;-)


Und wenn man sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, findet man die genialsten Kochshows.



Gott, ich lache immer noch Tränen… "Cut! Mushrooms! With! An AAAAAAXXXXXE!"
"Add your green shiiiit!"
Hail Seitan, yeah.

Kommentare:

athena hat gesagt…

Danke für diesen tollen Bericht! =) Einserseits amüsant wie immer und andererseits natürlich wirklich interessant. Ich gehöre ja leider auch zu den gepieksten Seelen, die wissen dass sie sich moralisch verwerflich ernähren - aber irgendwie momentan den inneren Schweinehund noch nicht über den Haufen gerannt kriegen... Wenn ich wenigstens vegetarisch hin kriegen würde. Oder wenigstens "sehr wenig" Feisch... Nu ja, ich bin weiter dran an der Thematik und werde demnächst auch mal selbst ein wenig auf meinem Blog drüber reflektieren. So lange habe ich sehr viel Freude an Deinen Berichten und würde mich auch über ein Special a ´la "mein wöchentliches veganes Rezept" oder so hier wirklich wahnsinnig freuen ^^ Vegan-Klugscheiß wäre auch nicht schlecht. ;-* Wenn Du Zeit und Lust drauf hättest natürlich nur.

Hummel hat gesagt…

Nein, Du gehörst zu den Leuten, die mich einfach machen lassen. =) Das ist ausgesprochen angenehm. :-*

Um so richtig wöchentlich Rezepte zu posten, müßte ich viel mehr in der Küche stehen und vor allem viel abwechslungsreicher. Ich esse total gerne und häufig einfach Pasta mit improvisierter Sauce, das ist nicht so interessant. ^^ Aber wenn mir was Leckeres unterkommt, blogge ich das auch gerne.

Vom gesundheitlichen Standpunkt her halte ich Vegetariersein mit extrem vielne Milchprodukten für nicht wesentlich besser als ab und an mal ein mageres Stück Fleisch. Insofern ist für Dich vielleicht eher die Variante, Milchprodukte zu ersetzen, praktisch. Sojasahne statt richtiger und so weiter.

athena hat gesagt…

Ich verwende beim Kochen ohnehin NUR noch Soja-Sahne, seit Du hier gewesen bist ;-) Aber Milch kann ich nicht ersetzen - sie schmeckt mir einfach nur in Halbfett und echt :D Allerdings gehen wir gerade von Butter auf (Halbfett-)Margarine und statt Zucker nehm ich ja auch schon seit April den Agavendicksaft (außer beim Backen).
Fleisch ist dennoch vom Gewissen her mein Hauptproblem, einfach wg. der toten Tiere :( Was mich allerdings noch von keinem Schnitzel ferngehalten hat :-/ Aber ansonsten bin ich derzeit mal wieder sehr aktiv mit Ernährung beschäftigt. In meinem aktuellen "Diät-"Buch geht es doch schon sehr um die Lebensmittel und dauerhafte Umstellung an sich, das finde ich sehr interessant.

Hummel hat gesagt…

Margarine: Alsan. Schmeckt wie Butter, gibt's auch in Bio, finde ich total lecker.

athena hat gesagt…

Wir haben uns für Lätta entschieden. Wenn schon Margarine, dann wenigstens die Hälfte Fett sparen ;-)