Freitag, 13. Juni 2014

Der Versuch, einen Fußball-Freitagsfüller zu unterwandern

Offenbar hat Scrap-Impulse sich mit in den Wahn gestürzt. =)

1. Fußball darf man in Australien auch mit den Händen spielen, habe ich irgendwann letztes Jahr gelernt.

2. Ich fände es daher lustig, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft dort stattfände.

3. Eigentlich mag ich überhaupt keine rote Beete, aber gestern war sie im Essen unterwegs und schmeckte gar nicht so übel.

4. Ich denke immer intensiver über gute, fundierte Möglichkeiten von Crowdfunding nach. Ich bräuchte dann kleinere Hummel-Fanartikel. Aber was könnte das sein? Und wer würde sowas haben wollen? Das nimmt gerade meine existenzielleren Grübelkapazitäten in Anspruch.

5. Brasilien ist riesig und hat einen der nettesten Musiker hervorgebracht, die ich je kennengelernt habe. Außerdem spricht man dort dieses wundervoll weiche Portugiesisch.

6. Um nochmal auf das Crowdfunding zurückzukommen: Vielleicht müssen die Fanartikel ja nicht nur materieller Art sein. Vielleicht würde sich auch jemand freuen, einen von mir vertonten eigenen Text zu gewinnen. Oder darüber, Backgroundstimme sein zu dürfen, vorausgesetzt, er packt das musikalisch. *grübel*

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich nach Job B noch auf Job C, morgen habe ich vor Job A am Abend noch das Basteln von Moderationen für meinen Chor geplant, und Sonntag möchte ich nichts machen. Nichts. Gar nichts. Mal sehen, ob mir das gelingt.

Und sonst so? Ich fahre derartig viel Auto, sitze auf Büro- und Unterrichtsstühlen und habe so wenig Gelegenheit, mich einfach mal normal zu bewegen, daß ich inzwischen zu Anti-Thrombose-Training auf der Autobahn übergegangen bin:


Geht leider nur linksseitig und auch nur, wenn die Autobahn völlig frei ist und ich mit 90 Sachen vor mich hin zuckle, ist klar. Aber mal zwischendurch so 5 Minuten das Bein hochlegen ist schon toll. =)

So mache ich es auch:


(Nur mit LKWs, *räusper*)

Mittwoch, 4. Juni 2014

Quaddelblablubb

Alles begann vor 2, 3 Wochen mit einer kleinen rosa Stelle auf der Brust. Ich vergaß sie in der Minute, in der ich sie entdeckte. Tage später war die kleine Stelle eine große Stelle, die viele Kumpels bekommen hatte. In zwischen sind Brust, Bauch, Rücken und Oberarme bedeckt von Flecken, die aussehen wie verheilende Brandwunden und in der Größe von "hier hat jemand seine Zigarette auf mir ausgedrückt" bis "hier ist ein heißes 2-€-Stück kleben geblieben" variieren.

Da das alles nicht mehr schön ist und ich nicht abwarten wollte, wie lange es dauert, bis der größere Teil meiner Gesamtoberfläche rosa ist, fahre ich also heute früh freiwillig zum Arzt. (Ja, echt.)

Auf dem Hinweg muß ich durch die engen Kopfsteinpflasterstraßen der Innenstadt und schiebe mich langsam an den auf meiner Straßenseite parkenden Autos vorbei, als von vorne ein Golf mit hoher Geschwindigkeit und exakt in der Straßenmitte auf mich zurast. Im letzten Moment schafft er es, so weit zu seiner Seite zu lenken, daß er einen Crash vermeidet - es macht nur "Plock" und mein Seitenspiegel ist eingeklappt. Aus den Ohren leicht vor Zorn rauchend ziehe ich die Handbremse an und steige aus meinem Wagen - er tut hinter mir dasselbe. Ein Mann irgendwas zwischen verlebten 35 und 55 Jahren, einen guten Kopf kleiner als ich und von so außergewöhnlicher Häßlichkeit, daß ich ihn nur mit Korporal Nobbs vergleichen kann, obwohl das dem Korporal Unrecht tut, kommt auf mich zu und schafft es, im obercoolen Schlendern mit einer gewissen lässigen Herablassung zu mir hochzublicken, als er sagt: "Ja, immer schön auf den Abstand achten." Mir geht gerade das mentale Messer in der Tasche auf, da ist er auch schon an mir vorbei, inspiziert meinen Wagen und sagt "Wenn bei Ihnen auch nur der Spiegel eingeklappt ist wie bei mir, dann können wir das mal so stehen lassen."
Ich atme langsam aus.
Ich atme langsam ein.
Ich erkläre mein Auto für unbeschädigt und fordere Nobby gestisch auf, sich von meinem Auto weg zu verpissen, da ich heute, wie ich nur gedanklich ergänze, für meinen Pazifismus nicht garantieren kann. Er versteht und befolgt die Geste augenblicklich und wiederholt diesmal in regelrecht gönnerhaftem Ton seinen gut gemeinten Rat, ich solle doch immer schön auf den Abstand achten.
Ich atme aus.
Ich atme ein.
Ich deute auf mein Auto, das 10 cm von der parkenden Reihe entfernt steht, dann auf sein Auto, das einem fetten Fahrradfahrer noch viel Platz zum Durchschlüpfen ließe.
"Wem sagen Sie das", lächle ich liebenswürdig, doch er ist gegen Ironie ebenso immun wie gegen die nackten Fakten und schlendert lässig, wie er kam, zu seinem Golf zurück, in dem eine hübsche Asiatin große erschrockene Augen macht. Ich steige ein, verkneife mir jede obszöne Geste, nach der mir zumute ist, und fahre weiter.

Beim Arzt bin ich positiv überrascht, daß die Praxis a) noch existiert und b) Sprechstunde hat, denn telefonisch war hier tagelang niemand erreichbar gewesen. "Bitte nehmen Sie Platz" sagt die sehr nette Sprechstundenhilfe ungeachtet der Tatsache, daß das Wartezimmer keinen freien Stuhl mehr hat. Ich nehme also Stehplatz. Nach mir tun noch drei weitere Patienten dasselbe und lümmeln sich in einem schlechten Kompromiß aus Restwürde und Nullbock gegen die Korridorwand.
Eine Stunde später verrät die Sprechstundenhilfe uns, daß am Ende des Flurs links vor dem Raum mit der Laserwarnung noch drei Stühle stehen.

Als ich aufgerufen werde, huscht die Ärztin mit den Worten "bitte schonmal freimachen" wieder aus dem Raum. Ich brauche 2 Sekunden, um das T-Shirt auszuziehen. Sie braucht eine Viertelstunde, um zurückzukommen. Während ich mich halbnackt in ihrem Raum langweile, beginne ich fatalerweise die Poster an den Wänden zu studieren. Eines erklärt ausführlich und unter Zuhilfenahme anschaulicher Bilder alles, aber auch wirklich alles, was mit Hämorrhiden zu tun hat und stellt die Behauptung auf, Lesen auf dem Klo begünstige die Krankheit. Scheiße, denke ich, bloß weg mit dem St-Patrick-Buch, das ich da seit einem Jahr zu liegen habe, weil ich immer nur einen Satz schaffe. Dann frage ich mich, ob die Art der Lektüre wohl auch einen Einfluß auf Hämorrhidenbildung nimmt. Wirken Selbsthilferatgeber von der Sorte "Geh mehr aus Dir heraus" stimulierend?

Auf dem Poster links davon sind diverse Ekzeme abgebildet. Mindestens drei davon sehen fast gleich aus, und zwar wie meines.

Auf dem Poster rechts von den Hämorrhiden ist etwas derartig Gruseliges, das Händen und Füßen zustoßen kann, abgebildet, daß ich mich schaudernd abwende.

Auf der Wand gegenüber fährt ein Comicelefant Skateboard, offenbar mit mäßigem Erfolg, denn er ist am ganzen Körper mit Heftpflastern beklebt, die Comicinsekten um ihn herum haben alle panische Gesichter und hinten ans Skateboard ist ein Sozius, darin eine grinsende Maus mit Erste-Hilfe-Kasten, gebunden. Ich überlege, was das wohl für eine Allegorie sein mag, da kommt die Ärztin zurück, besieht sich meinen Oberkörper und stellt mir allerlei Fragen.
Nein, es brennt und juckt nicht.
Nein, ich sei nicht krank.
Auch nicht in letzter Zeit.
Ja, Bauchweh und Durchfall hätte ich jetzt öfter gehabt.
Nein, nicht nach bestimmten Lebensmitteln.
Streß habe ich, klar, wer nicht.
Rückenschmerzen? Nein. (Das ist natürlich gelogen - aber ich habe nicht mehr Rückenschmerzen als normalerweise, also zählen sie nicht.)

Für sie sehe das nach einer stressbedingten Röschenflechte aus, sagt sie schließlich, und untersucht meinen auf ihrer Liege ausgestreckten Körper nach der besten Stelle für eine Bohrung. Röschen klingt eigentlich sehr hübsch, finde ich. Schließlich entnimmt sie die Probe am Oberschenkel und erzählt derweil, daß es nicht ansteckend sei und meistens wieder weggehe, wenn der Streß nachläßt. Ob ich eine Krankschreibung bräuchte.
"Nein danke" sage ich etwas zu laut.
"Wann arbeiten Sie denn wieder?"
"In einer Stunde." - Sie hebt die Brauen. - "Es geht nicht anders", sage ich.
"Sie sollten in den nächsten zwei Wochen möglichst gar nicht arbeiten", stellt sie fest. "Sie sollten nicht duschen, möglichst nicht schwitzen, keinen Sport treiben, rigendwo im Schatten sitzen und sich ausruhen."
Ich bekomme einen kurzen, aber heftigen Lachflash. In den nächsten 6 Wochen werde ich in jedem meiner 3 Jobs 120% leisten müssen. Für das nächste Wochenende, das ich selbstverständlich durcharbeite, sind 30° angesagt. Immerhin - keinen Sport zu treiben könnte ich ehrlichen Herzens versprechen.
Als ich mich beruhigt habe, antworte ich sehr eloquent: "Hmm." - "Rufen Sie in 2 Wochen nochmal an, ob es weg ist", sagt sie freundlich und ich erwidere, das wäre dann wohl erst ungefähr im August der Fall. Sie drückt mir ein Rezept für eine Salbe in die Hand und ich darf gehen.

In der Apotheke packe ich den Zettel, der beinahe ebenso rosa ist wie ich, auf die Theke, und eine rundliche Apothekerin sagt fröhlich, das wäre vorrätig. Sie holt mir ein Döschen von der Creme (ein Anti-Röschen-Döschen, haha), weist mich an, die Dose im Kühlschrank aufzubewahren, und als ich nichts erwidere, fühlt sie sich zu einer näheren Erklärung aufgefordert: "Das kühlt dann schön." - "Ach so", sage ich stumpf und frage noch nach einer 50+ Sonnencreme, die nicht wie eine Schicht Gummi auf der Haut liegt, bevor ich zur Arbeit fahre.

Schon auf dem Hinweg knurrt mir der Magen, es ist 3 Stunden nach Frühstück und noch über 8 Stunden bis Abendessen. Meine erste Schülerin, die aufgeweckt, talentiert und temperamentvolle 9 Jahre alt ist, hat mal wieder nicht geübt, weil das keinen Spaß macht. Sie entdeckt einen rosa Fleck an meinem Arm. "Ja", brumme ich gespielt streng, "die Ärztin wollte mich krankschreiben, aber ich habe ihr gesagt, das geht nicht, weil meine erste Schülerin immer nicht übt, so daß ich das mit ihr in der Stunde machen muß." Die Kleine kichert vergnügt und im Laufe der 45 Minuten Unterricht gelingt es mir tatsächlich, ihren Ehrgeiz zu wecken. Mal gucken, ob der die Woche überlebt.

Hier noch eine Portion Hass für alle:


Sonntag, 1. Juni 2014

Wochenrückblick

[Wetter] Ein paar Tage voll verregnet und kalt, aber jetzt wieder schön und um die 20 Grad.

[Gesehen] Vertraute Räume, schöne Sonnenuntergänge

[Gehört] Mümmeln, Nagen und Hoppeln.
Endlich mal wieder Pferdetinas Stimme; wir haben echt zu wenig Zeit zum Telefonieren.

[Gemacht] Zum ersten Mal meinen Chor ein bißchen angeranzt. Hoffentlich verzeihen sie mir. Ich komme sehr schlecht damit klar, wenn ich ein Potential sehe, das nicht genutzt wird. Ich komme sehr gut damit klar, wenn kein Potential da ist - dann macht man eben Pillepalle und hat einfach nur Spaß. Aber eigentlich gut sein können, sich aber doof anstellen halte ich nicht aus.

[Gegessen/Getrunken] Gestern Grillen bei meinen Eltern:




Dann noch Möhrenbrot, das ich diesmal mit 500 g Buchweizen- und 150 g Dinkelmehl gebacken habe - Himmel, ist das lecker geworden! Buchweizen gut! Wo ich doch keine Sauerteige hinkriege ist das eine echt schöne Alternative. Und jede Menge Hummelsalat. Wenn ich schon viel esse, dann doch lieber Grünzeug. Wegen der 5 Kilo und so. ;-)



[Gelacht] Über Kaninchen an unerwarteten Orten
Über Kaninchen an erwarteten Orten: Ich habe meines das erste Mal richtig frei in der Wohnung laufen lassen. Ich hatte mich vorher mit Möhrengrün bewaffnet, das ich dann irgendwann in seinen Napf gelegt habe, als ich wollte, daß er wieder reingeht. Hat super geklappt. Vorher jedoch mußte er sich alles gründlich angucken, immer wieder wie irre um den Schreibtisch wetzen, meine Hosenbeine anknabbern, meine Füße anstubsen, die Gitarrentasche annagen, kurz neben meinem Stuhl ein Nickerchen machen, mal die Kabel antesten (das gab Schimpfe), sich den Büchern im untersten Regal widmen, vorsichtig um die Ecke gucken, als ich in die Küche ging, das Geschenkpapier durcheinanderbringen, mich vorwurfsvoll angucken und mit dem Fuß laut auf den Boden klopfen wenn ich mich zu unvermittelt bewegt habe… Alle Leute sagen mir, ich sei eigentlich kein Kaninchentyp. Stimmt, ich hab ja eigentlich ein Faible für riesige tollpatschige Hunde. Aber ehrlich, dieses Kaninchen ist der Knaller. Jetzt gerade rast es wieder frei durch die Wohnung und scheint einfach nur selig zu sein, daß es rennen kann. 

[Geweint] Ja, denn die Zusammenarbeit mit einem Kollegen, den ich menschlich und musikalisch sehr schätze, wird zu Ende gehen.

[Gefreut] Als mein Wochenende sich überraschend als frei herausstellte.
Als mein Ensemble wie eine Heuschreckenplage über meinen Rhabarberkuchen herfiel und laute Geräusche der Zufriedenheit von sich gab.
Als mir jemand gesagt hat, er würde sicher zu meinem Konzert im Juli kommen.
Darüber, daß Malachy die Angst vor mir verliert: wenn ich durch den Raum gehe, versteckt er sich nicht mehr in seinem Häuschen, sondern kommt im Gegenteil an sein Gehegegitter gucken, was los ist und frißt mir sogar aus der Hand. Außerdem scheine ich ihn schon perfekt stubenrein bekommen zu haben, jedenfalls ist er bisher immer brav aufs Kaninchenklo gegangen.
Jemand hat mir nach wochenlangem Sammeln der dazugehörigen Materialien und mit Hilfe von Mitspielern eine Phiole der Sande geschenkt. Jetzt kann ich mich in einen Drachen verwandeln. Wahnsinn.

[Geärgert] Wie immer ein bißchen im Straßenverkehr.
Über suboptimale Terminabsprachen zwischen mir und der Chefetage, die dazu führte, daß meine Schüler eine Prüfung 2 Wochen früher als erwartet schreiben müssen. Hmpf.

[Gelernt] Ich muß die Kabel sichern. Ich habe keine Ahnung, wie, aber ich muß die Kabel sichern.
Obstkuchen ist eigentlich verdammt einfach.

[Gedacht] "Arschloch" (beim Autofahren).
"Wie schön, daß hier niemand wohnt, der mich am Ausschlafen hindert."
"Wer braucht schon ein Rührgerät?"

[Gekauft] Futter für Mal und mich.

[Geschenkt bekommen] Mehr Futter für Mal und mich.

[Gelesen] Den Gemeindebrief. Heimkehr der Seele. Ein bißchen Terry Pratchett. F von Daniel Kehlmann begonnen - was für ein genialer Kopf, dieser Mann. Und im Kaninchenbuch, das mir meine Nichte geliehen hat.

[Dankbar] Für meine Eltern.

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Who let the bunny out?