Samstag, 9. August 2014

leicht verspäteter Freitagsfüller

Da ich immer noch durch Deutschland brumme und gestern einfach kein Tag für Internet war, sondern für den Badesee, kommt der Füller heute. :)

1. Für mich geht der Urlaub langsam zu Ende.

2. Ich denke, ich sollte so Auszeiten öfter mal machen, in irgendeiner Form. Nicht gleich 2 Wochen wie dieses Mal, sondern einfach immer mal ein bißchen frei. Aber ich bin schon sehr stolz auf mich, mir für die kommende Spielzeit einen vermutlich freien Tag erkämpft zu haben. Eins aus sieben - ein guter Anfang. :)

3. Was macht eigentlich das Wetter hier? Warum so hummelig-regnerisch? Gestern wurden wir mitten im Schwimmen plötzlich auch noch von oben nass. Das war toll! Vorgestern gingen wir eine Stunde im Stadtpark spazieren (naja, klettern-schlittern trifft es eher, weil da noch Sturmschäden die Wege versperren), während es in Strömen regnete. Das war großartig! Wenn die Hummel nicht nach Irland kommen kann, kommt das Irland eben zur Hummel. :D

4. Veganer Käse ist eine feine Sache. Bei mir um die Ecke gibt es leider nur die eher geschmacklose Sorte Wilmersburger Käse, obwohl dieselbe Firma auch sehr sehr leckeren würzigen und Cheddar-Style Käse herstellt und viele andere Sorten. Vielleicht muß ich da mal ein bißchen agitieren.

5. Haben wir schon wieder August? Ich habe noch kaum die letzte Spielzeit innerlich abgeschlossen, und gleich geht's wieder los.

6. Freunde mit Katzen sind okay. Freunde mit Fotoapparaten sind auch okay. Freunde mit Katzen und Fotoapparaten sind die Pest. (Ich bin jetzt auch bei Instagram. Widerstand war für die Katz.)

7. Was das Wochenende angeht, gestern Abend war Filmeabend - Bud Spencer und Terrence Hill haben irgendwie ihren Kindheitsreiz auf mich verloren, aber Mystery Science Theater war auch zum zweiten Mal lustig UND ich habe Bernd das Brot kennengelernt und Tränen gelacht -, heute haben wir einen Besuch bei Freunden geplant und morgen möchte ich zurück nach Hummelhausen fahren.

Freitag, 1. August 2014

Freitagsfüller aus dem Hummelurlaub

Hummel hat die heimatlichen Wiesen verlassen und brummt ein wenig durch die Welt.

1. Bis jetzt ist der gesamte Urlaub wunderbar entspannend.

2. Das Wetter ist einfach herrlich.

3. An meine Sommerhaut lasse ich viel frische Luft, Sonnencreme 50+ und kühles Wasser.

4. Diesen Juli ist das erste Mal seit Jahren, daß ich wieder im Lieblingssee meiner Kindheit baden gewesen bin. Sogar mit sehr netten neuen Bekannten.

5. Die Merkmale einer Hummel, die den einzigen Urlaub des Jahres genießt: Leises Brummen, fast geschlossene Augen, geistesabwesendes Kraulen diverser in der Nähe befindlicher Pelztiere, hoher Orangensaftumsatz.

6. Von manchen Menschen habe ich schon länger gedacht: Die würde ich gerne mal kennenlernen. Und am vergangenen Wochenende war es dann soweit. Und es war genau so schön, wie ich es mir erhofft hatte.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine Lammas-Feier mit lieben Freundinnen bei Athena, morgen habe ich nichts geplant - mal gucken, was Athena so vorhat :)  und Sonntag möchte ich zum vierten und letzten Mal in diesem Urlaub die Unterkunft wechseln.

Montag, 14. Juli 2014

Grund zum Feiern

Urlaub.

Moment, das wird dem Gefühl in meinem Inneren, das ich schon ein Jahr nicht mehr hatte, nicht annähernd gerecht - ich versuche es nochmal:

Hmm… besser. Aber noch nicht ganz.



Nicht, daß ich jetzt frei hätte. :) Ich habe noch Chorproben, muß unendlich viel Klavierüben, habe noch 3 Schüler, die auch vor den Sommerferien nicht Halt machen, muß dringend ein Stück fertigschreiben, will unbedingt ein bißchen weiter mit Elektromucke experimentieren… und dabei bin ich nur noch eine Woche hier, dann fahre ich weg und alles muß warten. Also wieder hopp, hopp, kleine Hummel.


Freitag, 4. Juli 2014

Kurzer Rückblick auf den Juni, Suchbegriffe & ein künstlerischer Selbstversuch

Ich habe mich im Juni etwas rar gemacht hier in Hummelhausen. Das liegt in erster Linie an der vielen Arbeit - Musiker haben immer so ihre eigenen Jahreszeiten. Und der Frühsommer ist nun einmal Saisonende in den Theatern, schönes Wetter draußen für open air Konzerte, letzter Moment für Chorauftritte bevor die Sänger in Urlaub fahren und so weiter.
Zum zweiten liegt es daran, daß ich auch für die Arbeit mehr und mehr online machen muß und meine Bildschirmstarrerkapazitäten nicht unbegrenzt sind. In letzter Zeit lese ich abends lieber wieder Bücher. Bloggen, Homepagebasteln & online spielen machen mir großen Spaß, aber nicht immer nur. :)

Mit dem Chor hatte ich ganz wundervolle Konzerte. Natürlich hat nicht alles so funktioniert, wie ich mir das gewünscht hätte - dafür sind es eben Amateure -, aber ich habe das Niveau im Repertoire teilweise schon sehr hoch angesetzt, und sie haben sich wirklich gut geschlagen. Das Niveau wurde übrigens auch von mehreren Leuten aus dem Publikum hinterher lobend erwähnt, zusammen mit der Homogenität des Klanges, der unübersehbaren (geradezu raketengleichen) Steigerung des Chores seit seiner Gründung und "daß Sie das einfach so nett machen mit der Moderation". Diesmal hat mir NIEMAND gesagt, ich sähe beim Dirigieren so schön aus - zum ersten Mal. ^^ Offenbar werde ich alt erwachsen und man hält dergleichen nicht mehr für angebracht nötig. Ich habe das jedenfalls sehr genossen, und auch wenn wir mit den Konzerten schon durch sind, proben wir noch bis Ende Juli weiter, denn im Herbst haben wir unser erstes kleines Jubiläum zu feiern, und das möchte ich gut vorbereiten.

Auch das Ensemble wächst und gedeiht. Im letzten Monat gab es Reibereien, die wichtig für uns waren - wir sind zu viele, um immer einer Meinung zu sein, und zu wenige, um auf einen verzichten zu können. Aber an uns sieht man wieder: Durch Reibung entsteht Wärme. Wir haben noch eine Woche ab heute richtig viel zu tun, aber dann entspannen wir uns auch alle ein bißchen bis August.

Den Rest fasse ich mal in altbekannter Manier zusammen:

[Wetter] Sehr wechselhaft. Extrem heiße Tage und dann wieder lange Phasen aprilligen Wetters. Ich hatte den Eindruck, ein Wettergott will mich dafür trösten, daß ich nicht nach Irland oder Schottland kann, und bringt mir einfach täglich einen Schwung Nieselregen vorbei. :)

[Gemacht] Musik!

[Gedacht] Nächstes Jahr schicke ich auch Schüler zur offiziellen Prüfung. Was die hier machen, können meine auch.
Bin ich hier die Flirthotline für Übriggebliebene?
Muß man erst betrunken sein, um mir sowas zu schreiben?
Ich habe mir einen Shed-Ling ins Haus geholt.
Pathos, laß nach!
Manche Schülereltern sollte man abschaffen.
Niiiiiiiiedlich! (In Bezug auf den Shed-Ling)
Oh verdammt oh verdammt oh verdammt oh verdammt… (Geburtstag des Neffen vergessen)

[Gehört] Die Stimme vom Chef am Telefon. Er wird nicht fertig, egal wie kurz sein Anliegen ist, aber diesmal waren es nur 24 Minuten.
Vögel in den Büschen am Wegesrand während der Hundespaziergänge.
Meinen tollen Chor, bei manchen Stücken wirklich in Höchstform. 
Spott und Hohn, weil mein Führerschein gerade weg ist. Als würde es mir nicht schon genug weh tun, am Beutel wie an der persönlichen Freiheit. -.-
Einen total guten *sabber* Männerchor.
Häschengetrappel.

[Gesehen] Mehrere Sonnenuntergänge und einen Sonnenaufgang.
Einen spatzengroßen, aber leuchtend gelben Vogel.
Eine berühmte Kirche mit schön gemaltem Himmel, die ansonsten wie ein Mädchenzimmer der 50er Jahre in so pastelligen Altrosa- und Beigetönen gestrichen war. *grusel* Ich liebe Kirchen, aber nicht, wenn sie wie Wohnzimmer aussehen. Ich mag alte kleine Feldsteinkirchen, große steinerne Dome aus der Gotik und skandinavische Stabkirchen. Ich kann Stunden in sowas zubringen.

[Gegessen/Getrunken] Die erste Erdbeere von meinem Balkon.
Mal Fassbrause Rhabarber ausprobiert. Ich mag Rhabarber gerne und wollte mal kein Guinness kaufen, aber dieses Zeug scheint nur aus Zucker zu bestehen. Schade. Also wieder zurück zum Alkohol. ^^
Auch Guinness habe ich getrunken, nach einem Konzert auf meinem Balkon mit einem netten Bekannten - ein ungewohnter Moment der Entspannung. Ich glaube, das wird wiederholt.
Lecker Kartoffelsalat vegan von Mama. Keine Ahnung, wie sie das immer hinkriegt, daß die Sachen genau so schmecken wie früher.
Viel Malzkaffee, da ich auch das Kaffeetrinken mal etwas runterfahren wollte; ich probiere mich da also gerade durch die Sorten. Die optisch ansprechendste werde ich nicht probieren, da sie sich als Nestlé-Tochter entpuppt hat. Neulich hatte ich eine Sorte, die völlig geschmacklos war. Jetzt gerade eine ganz okaye - aber ich warte noch immer darauf, den Geschmack meiner Kindheit wiederzufinden.
Und grüne Smoothies, oder auf deutsch: geschredderte Salatgurke mit was drin.

[Geweint] Nö.

[Gelacht] Ja, viel und herzlich. Bei der Sommerfeier des Chores hatten ein paar Leute Liederbücher mit alten Volksliedern dabei. Da sind schon echt witzige Sachen darunter.
In den letzten Ensembleproben. Unsere nichtmusikalischen Aktionen werden langsam echt zum Schenkelklopfer.

[Geärgert] Über Sticheleien.
Über Stunden, die ich nächstes Schuljahr wohl nicht mehr unterrichten darf.

[Gefreut] Ein WoW-Mitspieler kommt in mein nächstes Konzert, obwohl an dem Abend Raid ist, und verkündete das dem Raidleiter mit den Worten: "Wenn ick pünktlich komme, komm ick pünklich, wenn nich, denn nich." Und wahrscheinlich bringt er noch einen Bekannten mit. Hach toll.
Über lange, nur halb sinnvolle Whatsappgespräche mit meinem Bruder.
Über einen möglichen Ersatz für die verloren gegangenen Unterrichtsstunden.
Über Hasi, der sich nicht mehr vor mir versteckt, sondern im Gegenteil immer Männchen am Gehege macht, wenn ich auftauche, und sich streicheln läßt.

[Gefühlt] Müde. Verwirrt. Geschmeichelt. Mehr müde. Dankbar. Unter Druck. Noch mehr müde.

[Gelernt] Was eine Schwalbe ist.

[Gekauft] Ein Mikrofon auf Empfehlung. Rosenblütenheu für Hasi. Zug- und Busfahrkarten. Der erste Busfahrer hat mich gleich mal beschissen.

[Geschenkt bekommen] Blumen ohne Ende, nach Konzerten und von Schülereltern - sogar zwei Töpfe statt Schnittblumen und einen selbstgemachten Aufschnitt von einer Schülerin, die auch vegan ißt:


Eine Packung Tee, von dem ich gar nicht so recht weiß, was es ist.


Chauffeursdienste von meinen Eltern.

[Gelesen] Einige Scheibenweltbücher, etwas Horst Evers, Jetzt gerade wieder den Drachenbeinthron begonnen. Als Teenager fand ich diese Saga ja einfach nur spannend, aber mit jedem Lesen fällt mir mehr auf, wieviel Humor da auch drin steckt. Großartige Bücher.

Das war's soweit zu meinem Juni - jetzt noch die Suchbegriffe, die diesen Monat auf's Hummelblog geführt haben:

nur eines ist nötig damit das böse triumphiert - nur ein… Komma?

presspappe - vielleicht ist das auch die Antwort auf den ersten Suchbegriff.

wo gibt es die wenigsten birken in duisburg - vermutlich am Autobahnkreuz. Oder in den Kneipen. Oder am Hafen. Oder Du machst 2 Sätze aus dem einen. *vote for Satzzeichenbenutzung*

du siehst mich immer lache… aber gebrochen herz - das ist übel und klingt nach…


… und DAS ist erst übel.

fliegen essen -

gut geschlafen sprüche - der beste ist etwas, das meine Mama gerne zitiert:
Tolle Nacht gehabt
nichts angehabt
außer Radio.

hummels geburtstag - ist in der Nähe der anderen Sonnenwende. Meiner auch.

hunde spiele - Tauziehen, klau-den-Latschen, bring-den-Latschen, friß-den-Latschen, renn-wie-irre-im-Kreis, hol-das-Stöckchen, fang-den-Postboten…

ich bin völlig verzweifelt mein partner hat gerade eröffnet das ich in sein neues lebensmodell nicht mehr reinpasse - O.O Und da googlest du?! Los, ruf einen Freund an und heul dich aus! (Und weil das so traurig ist sage ich auch nichts über das, dass und daß.)

ich habe lust auf sex - da wird dir beim Googlen schon eher geholfen. Aber dennoch kann ich mir vorstellen, daß das Treffen realer Personen auf die Dauer erfolgversprechender ist.

Mein Blog scheint seltsame magnetische Eigenschaften zu haben, wenn ich mir manche Suchbegriffe so ansehe… und ich habe jetzt, inspiriert von den anonymen Blogsuchern, direkt Lust, mal einen eigenen Rap zu schreiben.

Du siehst misch imma lache
Aber Herz ist voll gebroche
Tut misch weh, alles scheise
komm zurück zu misch du Schlampe
War isch imma ehrlisch zu dir
und wenn nisch, ist auch egal
hab disch trotzdem voll geliebt

Nee, Moment… Muß da nicht auch irgendwo eine Mutter auftauchen?


Mama, hörst du heulen auf
du bist eh die einzige für misch
und auch wenn isch jetzt nisch da bin
denk isch trotzdem nur an disch
Isch werd alt, du wirst älter,
beide träumen wir nisch mehr
Jetzt wird ernst, isch muß los
So ist Leben, imma Schmerz.

Naja, ich übe noch.

Freitag, 13. Juni 2014

Der Versuch, einen Fußball-Freitagsfüller zu unterwandern

Offenbar hat Scrap-Impulse sich mit in den Wahn gestürzt. =)

1. Fußball darf man in Australien auch mit den Händen spielen, habe ich irgendwann letztes Jahr gelernt.

2. Ich fände es daher lustig, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft dort stattfände.

3. Eigentlich mag ich überhaupt keine rote Beete, aber gestern war sie im Essen unterwegs und schmeckte gar nicht so übel.

4. Ich denke immer intensiver über gute, fundierte Möglichkeiten von Crowdfunding nach. Ich bräuchte dann kleinere Hummel-Fanartikel. Aber was könnte das sein? Und wer würde sowas haben wollen? Das nimmt gerade meine existenzielleren Grübelkapazitäten in Anspruch.

5. Brasilien ist riesig und hat einen der nettesten Musiker hervorgebracht, die ich je kennengelernt habe. Außerdem spricht man dort dieses wundervoll weiche Portugiesisch.

6. Um nochmal auf das Crowdfunding zurückzukommen: Vielleicht müssen die Fanartikel ja nicht nur materieller Art sein. Vielleicht würde sich auch jemand freuen, einen von mir vertonten eigenen Text zu gewinnen. Oder darüber, Backgroundstimme sein zu dürfen, vorausgesetzt, er packt das musikalisch. *grübel*

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich nach Job B noch auf Job C, morgen habe ich vor Job A am Abend noch das Basteln von Moderationen für meinen Chor geplant, und Sonntag möchte ich nichts machen. Nichts. Gar nichts. Mal sehen, ob mir das gelingt.

Und sonst so? Ich fahre derartig viel Auto, sitze auf Büro- und Unterrichtsstühlen und habe so wenig Gelegenheit, mich einfach mal normal zu bewegen, daß ich inzwischen zu Anti-Thrombose-Training auf der Autobahn übergegangen bin:


Geht leider nur linksseitig und auch nur, wenn die Autobahn völlig frei ist und ich mit 90 Sachen vor mich hin zuckle, ist klar. Aber mal zwischendurch so 5 Minuten das Bein hochlegen ist schon toll. =)

So mache ich es auch:


(Nur mit LKWs, *räusper*)

Mittwoch, 4. Juni 2014

Quaddelblablubb

Alles begann vor 2, 3 Wochen mit einer kleinen rosa Stelle auf der Brust. Ich vergaß sie in der Minute, in der ich sie entdeckte. Tage später war die kleine Stelle eine große Stelle, die viele Kumpels bekommen hatte. In zwischen sind Brust, Bauch, Rücken und Oberarme bedeckt von Flecken, die aussehen wie verheilende Brandwunden und in der Größe von "hier hat jemand seine Zigarette auf mir ausgedrückt" bis "hier ist ein heißes 2-€-Stück kleben geblieben" variieren.

Da das alles nicht mehr schön ist und ich nicht abwarten wollte, wie lange es dauert, bis der größere Teil meiner Gesamtoberfläche rosa ist, fahre ich also heute früh freiwillig zum Arzt. (Ja, echt.)

Auf dem Hinweg muß ich durch die engen Kopfsteinpflasterstraßen der Innenstadt und schiebe mich langsam an den auf meiner Straßenseite parkenden Autos vorbei, als von vorne ein Golf mit hoher Geschwindigkeit und exakt in der Straßenmitte auf mich zurast. Im letzten Moment schafft er es, so weit zu seiner Seite zu lenken, daß er einen Crash vermeidet - es macht nur "Plock" und mein Seitenspiegel ist eingeklappt. Aus den Ohren leicht vor Zorn rauchend ziehe ich die Handbremse an und steige aus meinem Wagen - er tut hinter mir dasselbe. Ein Mann irgendwas zwischen verlebten 35 und 55 Jahren, einen guten Kopf kleiner als ich und von so außergewöhnlicher Häßlichkeit, daß ich ihn nur mit Korporal Nobbs vergleichen kann, obwohl das dem Korporal Unrecht tut, kommt auf mich zu und schafft es, im obercoolen Schlendern mit einer gewissen lässigen Herablassung zu mir hochzublicken, als er sagt: "Ja, immer schön auf den Abstand achten." Mir geht gerade das mentale Messer in der Tasche auf, da ist er auch schon an mir vorbei, inspiziert meinen Wagen und sagt "Wenn bei Ihnen auch nur der Spiegel eingeklappt ist wie bei mir, dann können wir das mal so stehen lassen."
Ich atme langsam aus.
Ich atme langsam ein.
Ich erkläre mein Auto für unbeschädigt und fordere Nobby gestisch auf, sich von meinem Auto weg zu verpissen, da ich heute, wie ich nur gedanklich ergänze, für meinen Pazifismus nicht garantieren kann. Er versteht und befolgt die Geste augenblicklich und wiederholt diesmal in regelrecht gönnerhaftem Ton seinen gut gemeinten Rat, ich solle doch immer schön auf den Abstand achten.
Ich atme aus.
Ich atme ein.
Ich deute auf mein Auto, das 10 cm von der parkenden Reihe entfernt steht, dann auf sein Auto, das einem fetten Fahrradfahrer noch viel Platz zum Durchschlüpfen ließe.
"Wem sagen Sie das", lächle ich liebenswürdig, doch er ist gegen Ironie ebenso immun wie gegen die nackten Fakten und schlendert lässig, wie er kam, zu seinem Golf zurück, in dem eine hübsche Asiatin große erschrockene Augen macht. Ich steige ein, verkneife mir jede obszöne Geste, nach der mir zumute ist, und fahre weiter.

Beim Arzt bin ich positiv überrascht, daß die Praxis a) noch existiert und b) Sprechstunde hat, denn telefonisch war hier tagelang niemand erreichbar gewesen. "Bitte nehmen Sie Platz" sagt die sehr nette Sprechstundenhilfe ungeachtet der Tatsache, daß das Wartezimmer keinen freien Stuhl mehr hat. Ich nehme also Stehplatz. Nach mir tun noch drei weitere Patienten dasselbe und lümmeln sich in einem schlechten Kompromiß aus Restwürde und Nullbock gegen die Korridorwand.
Eine Stunde später verrät die Sprechstundenhilfe uns, daß am Ende des Flurs links vor dem Raum mit der Laserwarnung noch drei Stühle stehen.

Als ich aufgerufen werde, huscht die Ärztin mit den Worten "bitte schonmal freimachen" wieder aus dem Raum. Ich brauche 2 Sekunden, um das T-Shirt auszuziehen. Sie braucht eine Viertelstunde, um zurückzukommen. Während ich mich halbnackt in ihrem Raum langweile, beginne ich fatalerweise die Poster an den Wänden zu studieren. Eines erklärt ausführlich und unter Zuhilfenahme anschaulicher Bilder alles, aber auch wirklich alles, was mit Hämorrhiden zu tun hat und stellt die Behauptung auf, Lesen auf dem Klo begünstige die Krankheit. Scheiße, denke ich, bloß weg mit dem St-Patrick-Buch, das ich da seit einem Jahr zu liegen habe, weil ich immer nur einen Satz schaffe. Dann frage ich mich, ob die Art der Lektüre wohl auch einen Einfluß auf Hämorrhidenbildung nimmt. Wirken Selbsthilferatgeber von der Sorte "Geh mehr aus Dir heraus" stimulierend?

Auf dem Poster links davon sind diverse Ekzeme abgebildet. Mindestens drei davon sehen fast gleich aus, und zwar wie meines.

Auf dem Poster rechts von den Hämorrhiden ist etwas derartig Gruseliges, das Händen und Füßen zustoßen kann, abgebildet, daß ich mich schaudernd abwende.

Auf der Wand gegenüber fährt ein Comicelefant Skateboard, offenbar mit mäßigem Erfolg, denn er ist am ganzen Körper mit Heftpflastern beklebt, die Comicinsekten um ihn herum haben alle panische Gesichter und hinten ans Skateboard ist ein Sozius, darin eine grinsende Maus mit Erste-Hilfe-Kasten, gebunden. Ich überlege, was das wohl für eine Allegorie sein mag, da kommt die Ärztin zurück, besieht sich meinen Oberkörper und stellt mir allerlei Fragen.
Nein, es brennt und juckt nicht.
Nein, ich sei nicht krank.
Auch nicht in letzter Zeit.
Ja, Bauchweh und Durchfall hätte ich jetzt öfter gehabt.
Nein, nicht nach bestimmten Lebensmitteln.
Streß habe ich, klar, wer nicht.
Rückenschmerzen? Nein. (Das ist natürlich gelogen - aber ich habe nicht mehr Rückenschmerzen als normalerweise, also zählen sie nicht.)

Für sie sehe das nach einer stressbedingten Röschenflechte aus, sagt sie schließlich, und untersucht meinen auf ihrer Liege ausgestreckten Körper nach der besten Stelle für eine Bohrung. Röschen klingt eigentlich sehr hübsch, finde ich. Schließlich entnimmt sie die Probe am Oberschenkel und erzählt derweil, daß es nicht ansteckend sei und meistens wieder weggehe, wenn der Streß nachläßt. Ob ich eine Krankschreibung bräuchte.
"Nein danke" sage ich etwas zu laut.
"Wann arbeiten Sie denn wieder?"
"In einer Stunde." - Sie hebt die Brauen. - "Es geht nicht anders", sage ich.
"Sie sollten in den nächsten zwei Wochen möglichst gar nicht arbeiten", stellt sie fest. "Sie sollten nicht duschen, möglichst nicht schwitzen, keinen Sport treiben, rigendwo im Schatten sitzen und sich ausruhen."
Ich bekomme einen kurzen, aber heftigen Lachflash. In den nächsten 6 Wochen werde ich in jedem meiner 3 Jobs 120% leisten müssen. Für das nächste Wochenende, das ich selbstverständlich durcharbeite, sind 30° angesagt. Immerhin - keinen Sport zu treiben könnte ich ehrlichen Herzens versprechen.
Als ich mich beruhigt habe, antworte ich sehr eloquent: "Hmm." - "Rufen Sie in 2 Wochen nochmal an, ob es weg ist", sagt sie freundlich und ich erwidere, das wäre dann wohl erst ungefähr im August der Fall. Sie drückt mir ein Rezept für eine Salbe in die Hand und ich darf gehen.

In der Apotheke packe ich den Zettel, der beinahe ebenso rosa ist wie ich, auf die Theke, und eine rundliche Apothekerin sagt fröhlich, das wäre vorrätig. Sie holt mir ein Döschen von der Creme (ein Anti-Röschen-Döschen, haha), weist mich an, die Dose im Kühlschrank aufzubewahren, und als ich nichts erwidere, fühlt sie sich zu einer näheren Erklärung aufgefordert: "Das kühlt dann schön." - "Ach so", sage ich stumpf und frage noch nach einer 50+ Sonnencreme, die nicht wie eine Schicht Gummi auf der Haut liegt, bevor ich zur Arbeit fahre.

Schon auf dem Hinweg knurrt mir der Magen, es ist 3 Stunden nach Frühstück und noch über 8 Stunden bis Abendessen. Meine erste Schülerin, die aufgeweckt, talentiert und temperamentvolle 9 Jahre alt ist, hat mal wieder nicht geübt, weil das keinen Spaß macht. Sie entdeckt einen rosa Fleck an meinem Arm. "Ja", brumme ich gespielt streng, "die Ärztin wollte mich krankschreiben, aber ich habe ihr gesagt, das geht nicht, weil meine erste Schülerin immer nicht übt, so daß ich das mit ihr in der Stunde machen muß." Die Kleine kichert vergnügt und im Laufe der 45 Minuten Unterricht gelingt es mir tatsächlich, ihren Ehrgeiz zu wecken. Mal gucken, ob der die Woche überlebt.

Hier noch eine Portion Hass für alle:


Sonntag, 1. Juni 2014

Wochenrückblick

[Wetter] Ein paar Tage voll verregnet und kalt, aber jetzt wieder schön und um die 20 Grad.

[Gesehen] Vertraute Räume, schöne Sonnenuntergänge

[Gehört] Mümmeln, Nagen und Hoppeln.
Endlich mal wieder Pferdetinas Stimme; wir haben echt zu wenig Zeit zum Telefonieren.

[Gemacht] Zum ersten Mal meinen Chor ein bißchen angeranzt. Hoffentlich verzeihen sie mir. Ich komme sehr schlecht damit klar, wenn ich ein Potential sehe, das nicht genutzt wird. Ich komme sehr gut damit klar, wenn kein Potential da ist - dann macht man eben Pillepalle und hat einfach nur Spaß. Aber eigentlich gut sein können, sich aber doof anstellen halte ich nicht aus.

[Gegessen/Getrunken] Gestern Grillen bei meinen Eltern:




Dann noch Möhrenbrot, das ich diesmal mit 500 g Buchweizen- und 150 g Dinkelmehl gebacken habe - Himmel, ist das lecker geworden! Buchweizen gut! Wo ich doch keine Sauerteige hinkriege ist das eine echt schöne Alternative. Und jede Menge Hummelsalat. Wenn ich schon viel esse, dann doch lieber Grünzeug. Wegen der 5 Kilo und so. ;-)



[Gelacht] Über Kaninchen an unerwarteten Orten
Über Kaninchen an erwarteten Orten: Ich habe meines das erste Mal richtig frei in der Wohnung laufen lassen. Ich hatte mich vorher mit Möhrengrün bewaffnet, das ich dann irgendwann in seinen Napf gelegt habe, als ich wollte, daß er wieder reingeht. Hat super geklappt. Vorher jedoch mußte er sich alles gründlich angucken, immer wieder wie irre um den Schreibtisch wetzen, meine Hosenbeine anknabbern, meine Füße anstubsen, die Gitarrentasche annagen, kurz neben meinem Stuhl ein Nickerchen machen, mal die Kabel antesten (das gab Schimpfe), sich den Büchern im untersten Regal widmen, vorsichtig um die Ecke gucken, als ich in die Küche ging, das Geschenkpapier durcheinanderbringen, mich vorwurfsvoll angucken und mit dem Fuß laut auf den Boden klopfen wenn ich mich zu unvermittelt bewegt habe… Alle Leute sagen mir, ich sei eigentlich kein Kaninchentyp. Stimmt, ich hab ja eigentlich ein Faible für riesige tollpatschige Hunde. Aber ehrlich, dieses Kaninchen ist der Knaller. Jetzt gerade rast es wieder frei durch die Wohnung und scheint einfach nur selig zu sein, daß es rennen kann. 

[Geweint] Ja, denn die Zusammenarbeit mit einem Kollegen, den ich menschlich und musikalisch sehr schätze, wird zu Ende gehen.

[Gefreut] Als mein Wochenende sich überraschend als frei herausstellte.
Als mein Ensemble wie eine Heuschreckenplage über meinen Rhabarberkuchen herfiel und laute Geräusche der Zufriedenheit von sich gab.
Als mir jemand gesagt hat, er würde sicher zu meinem Konzert im Juli kommen.
Darüber, daß Malachy die Angst vor mir verliert: wenn ich durch den Raum gehe, versteckt er sich nicht mehr in seinem Häuschen, sondern kommt im Gegenteil an sein Gehegegitter gucken, was los ist und frißt mir sogar aus der Hand. Außerdem scheine ich ihn schon perfekt stubenrein bekommen zu haben, jedenfalls ist er bisher immer brav aufs Kaninchenklo gegangen.
Jemand hat mir nach wochenlangem Sammeln der dazugehörigen Materialien und mit Hilfe von Mitspielern eine Phiole der Sande geschenkt. Jetzt kann ich mich in einen Drachen verwandeln. Wahnsinn.

[Geärgert] Wie immer ein bißchen im Straßenverkehr.
Über suboptimale Terminabsprachen zwischen mir und der Chefetage, die dazu führte, daß meine Schüler eine Prüfung 2 Wochen früher als erwartet schreiben müssen. Hmpf.

[Gelernt] Ich muß die Kabel sichern. Ich habe keine Ahnung, wie, aber ich muß die Kabel sichern.
Obstkuchen ist eigentlich verdammt einfach.

[Gedacht] "Arschloch" (beim Autofahren).
"Wie schön, daß hier niemand wohnt, der mich am Ausschlafen hindert."
"Wer braucht schon ein Rührgerät?"

[Gekauft] Futter für Mal und mich.

[Geschenkt bekommen] Mehr Futter für Mal und mich.

[Gelesen] Den Gemeindebrief. Heimkehr der Seele. Ein bißchen Terry Pratchett. F von Daniel Kehlmann begonnen - was für ein genialer Kopf, dieser Mann. Und im Kaninchenbuch, das mir meine Nichte geliehen hat.

[Dankbar] Für meine Eltern.



Who let the bunny out?