Sonntag, 10. November 2013

Abschiede

Ich hasse Abschiede. Als ich noch klein war, hat meine Familie sich unheimlich darüber amüsiert. Wann immer meine erheblich älteren Geschwister aus dem Studium mal ein Wochenende nach Hause kamen, gab es furchtbar Tränen, wenn sie wieder fahren mußten. Das ging so weit, daß ich schon anstelle der Begrüßung fragte: "Wann fährst Du wieder?" - nicht, weil ich sie loswerden wollte, sondern weil ich mich schonmal innerlich wappnen mußte.

Wann immer ich in den letzten Jahren Pferdetina, meine Kölner Mädels oder meinen Anam Cara besucht habe, hatte ich danach tagelang den Blues. Aber total. Dieses Gefühl, im eigenen Leben ausgesetzt zu sein wie ein Hundewelpe an der Autobahn.

Und jetzt hatte ich zum ersten Mal, ja wirklich, zum allerersten Mal selbst Besuch für einen richtigen Zeitraum. Das war toll! Es war unglaublich entspannt, unkompliziert und fügte sich nahtlos in meinen Alltag - ich hatte ja keinen Urlaub, aber ich konnte einige Dinge in eine praktikable Richtung schieben, so daß wir auch ein bißchen was unternehmen konnten. Ich stelle fest: Besuch haben ist schön. Besuch wieder verabschieden… uuäääähhh. Trauriges Kaninchen.  hasen-smilies-0157.gif von smiliesuche.de

Nun ja - glücklicherweise sind da auch einige Punkte auf der Haben-Seite:

Diese Freundschaft ist auf den dritten Blick noch immer so schön wie auf den ersten und zweiten.

Mein Besuch hat sich a) überwunden, überhaupt den Weg hierher anzutreten und b) die Region nicht von vornherein verurteilt, nur weil es Ostdeutschland ist. Im Gegenteil, er mochte die Landschaft und Städte gleichermaßen und Recht hat er, jawohl.

Ich gehe sehr angeregt und inspiriert aus dieser Woche heraus. Eine Sache, auf die ich vor Jahren mal große Lust hatte, hat sich beim unkomplizierten Brainstormen über meine beruflichen Möglichkeiten mal wieder in den Vordergrund geschoben und ich bin schon ganz kribbelig, es zu versuchen.

Wir haben ein sehr, sehr lustiges Lied, ein reines Spaßprojekt, aufgenommen. Wir haben im Auto die Firmennamen der Kleinbetriebe am Straßenrand als Werbejingles gesungen. Wir sind einmal die komplette Ringbahnstrecke in Berlin abgefahren und haben unvorstellbar fette Spatzen mit Pommes gefüttert. Wir sind an längst überwachsenen Bahnschienen spazieren gegangen.

Ich habe selten in meinem Leben so viel von Herzen gelächelt oder gelacht.


Wie ist das bei Euch? Sind für Euch Besuche auch Kostbarkeiten oder wohnen Eure Freunde alle nahe genug, um sie wirklich spontan überfallen zu können? Kennt Ihr diesen Blues oder seid Ihr da weniger anfällig für?

Kommentare:

Ashmodiel hat gesagt…

Ich mag Abschiede auch nicht.
Abschiede sind blöd.
Es sei denn, man kann sich tatsächlich jederzeit wieder überfallen.
Aber dennoch sind mir auch diese Besuche sehr kostbar.
Und ich bin neugierig, welches Projekt das ist. :)

Feona Malea hat gesagt…

Ich hasse Abschiede!
Wirklich! Oft hab ich Tränen in den Augen und bin traurig - auch wenn ich mich wieder auf zu Hause freue oder alleine zu sein ... Abschied ist doof!

Meine Freunde sind - fast alle - weiter weg und ich wünsche mir oft, dass ich sie öfter sehen würde.

Irka Lunkwitz hat gesagt…

Ohhh das kenne ich so gut. Bin gerade von einem West-Wochenende zurück (ja, wer fährt schon in den Osten ;) ) und innerlich am seufzen und schniefen, weils schön war und so weit weg und überhaupt. Und das verbloggen hat nix gebracht, weil ich nicht wirklich das innerliche schreiben konnte und ich den Begegnungen nachhänge. Kenn ich.

Liebe Grüße vom traurigen Kaninchen zwei

athena hat gesagt…

Abschied nehmen macht mich ebenfalls krank, auch die kleinen... *knuddel*