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Dienstag, 3. November 2015

Liebster Award




Diesen habe ich von ATHENA verliehen bekommen und freue mich sehr - dankeschön!
Leider werde ich die daran geknüpften Aufgaben nur teilweise erfüllen können. Es tut mir Leid, aber ich kann beim besten Willen nicht 5-11 Blogger nominieren, die nicht schon nominiert worden wären. Mal sehen, ob ich überhaupt einen finde. Nichtsdestotrotz stürze ich mich in Athenas Fragen.

Die Regeln lauten wie folgt:


  • 1. Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel. 
  • 2. Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt. 
  • 3. Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award. 
  • 4. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen. 
  • 5. Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel. 
  • 6. Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel

Athenas Fragen:

1. Welch Geistes Kind bist Du? Sprich, wo siehst Du und empfindest Du Deine spirituellen Wurzeln und warum?

Hui, gleich so intim. Hmm. Das ist bei mir so: Als DDR-Kind wurden Glaubensdinge immer eher sehr von mir ferngehalten. Ich habe aber schon als Kind gebetet, ohne zu wissen, zu wem, warum und wer dieser Gott eigentlich ist. Es war mir auch total wumpe. Nach der Wende habe ich mich taufen und konfirmieren lassen, und um ehrlich zu sein, das war eigentlich nicht, weil ich christlich war oder bin, sondern weil ich mir schon immer absolut sicher war, daß da etwas ist, etwas Unnennbares, uns Umschließendes, uns Umfassendes, etwas, das größer ist als die Summe unserer Seelen und das uns eigentlich erst lebendig macht - und hier gab es eben nur eine Kirche, keinen buddhistischen Tempel, keine schamanisch arbeitenden Menschen (damals, inzwischen schon), keine offen über diese Dinge redenden Menschen.
Aber meine eigentliche spirituelle Wurzel ist vermutlich sehr schlicht meine Kindheit auf dem Dorf. Ich liebe Bäume, Seen, Regen, satte Erde unter nackten Füßen. Ich spüre die Welt, ich benutze sie nicht nur. Ich bin ein Erdkind, ein Himmelskind, ein Alles-dazwischen-Kind, ich hatte nie in meinem Leben Angst vor irgendwas, das die Natur hervorgebracht hat. Vielleicht kommt daher auch meine tiefe Überzeugung, daß Gott nicht uns übergeordnet ist, keine Person, nichts Subjektives, sondern daß wir alle miteinander, jede Materie, jede Energie, gemeinsam Gott sind. (Von dem Standpunkt aus haben übrigens veganes Essen und Umweltschutz nochmal eine ganz andere Ebene.)
Im Laufe meines Lebens hatte ich viele Erlebnisse, über die ich ganz sicher nicht öffentlich bloggen werde, die aber dazu geführt haben, daß ich eine große Affinität zu Engeln entwickelt habe. Ich betrachte das auch als eine Wurzel, die hat nur später zu wachsen begonnen. 

2. Wie wichtig ist es Dir, ob die Menschen in Deinem Leben Dich als Gesamtpaket ansehen, akzeptieren und annehmen - also eben auch mit Deiner Spiritualität?

Ich denke mal, damit meinst Du den "inneren Kreis", also engere Familie, enge Freunde, Lebensgefährten. Also ich glaube, es ist eigentlich kein Problem, als ein Mensch wie ich mit Leuten zusammen zu sein, die nicht das geringste Interesse an spirituellen Dingen haben. Wer mich liebt, liebt meine Verrücktheiten, meine Schwächen, mein alles, und der nimmt mich sowieso genau so wie ich bin. Wer glaubt, über Dinge, die ich empfinde oder erfahre, spotten zu müssen, hat in diesem Kreis enger Vertrauter ohnehin nichts verloren.
Mich zu verstecken, also Menschen, denen ich (mich an)vertraue, einen Teil von mir immer vorzuenthalten, ist keine Option. Vielleicht wäre der Drang, es zu verstecken oder mich dafür zu schämen sogar ein Indikator dafür, daß ich selbst nicht so recht daran glaube? Denn wovor sollte ich sonst Angst haben. ;-) 
Es ständig wie ein Wahlplakat vor mir herzutragen ist übrigens auch keine Option. Wie armselig, wenn ich mich wichtig machen müßte, indem ich dauernd Dinge sage wie "das hat mir ein Engel so gesagt blabla". Das ginge ohnehin schon deshalb nicht, weil ich auch dazu neige, mit meinen Engeln zu diskutieren. ^^
Alle anderen Menschen geht das alles nichts an. 

3. Wann war die glücklichste Zeit Deines Lebens?

Haha, wer sagt, daß die schon war? :D 
Ich glaube, die unbeschwerteste Zeit meines Lebens waren die ersten drei Jahre davon. Dann waren die letzten vier Schuljahre nochmal sehr toll, die letzten 3 Studienjahre waren ganz okay, und seit ca 2-3 Jahren habe ich jetzt den Eindruck, daß ich langsam eine grundsätzliche innere Zufriedenheit erlange, die ich früher nicht hatte. Mir wurden in diesen letzten Jahren unglaublich schöne Erlebnisse geschenkt, die viel von den anderen früher wettmachen und mehr als das, mich davon heilen. 

4. Welchen Herzenswunsch willst Du Dir unbedingt noch erfüllen?

Oje, ich träume von vielen Dingen. Im Kleinen hätte ich gerne irgendwann einen gewissen Wohlstand. Also einfach das Gefühl, was ich verdiene, reicht, um mein Leben zu finanzieren, ein Polster für Notfälle anzusparen und ein bißchen Luxus wie einmal im Jahr in Urlaub fahren obendrauf - und das hätte ich sehr gerne als die Musikerin, die ich bin, und nicht, weil ich alles hinschmeiße und Altenpfleger werde oder so. Ich bin Mitte 30 und bisher sieht es noch nicht danach aus, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Im Großen? Ich hätte wahnsinnig gerne ein Haus am See. (Ein ganz bestimmtes sogar, wenn ich schon träumen darf.) Und darin dürften mit mir mein Freund, unser Kind und ein Haufen Labradore wohnen. Dort wären eine Bibliothek mit Kamin und ein Musikzimmer, letzteres eventuell sogar schalldicht und technisch hervorragend ausgerüstet für Home Recording Deluxe. Ich würde gerne die Freiheit haben, nur noch die Leute zu unterrichten, die ich wirklich unterrichten will, und ansonsten von dem zu leben, was mich glücklich macht: Songwriting/Komponieren und Ensembles. Ich würde gerne verrückte Projekte starten (ich habe HUNDERTE im Kopf und niemanden, der mich für sowas bezahlen würde), neue Instrumente lernen, herumreisen und die Musik anderer Länder vor Ort anhören.
Und im Universellen? Ich hätte so gerne ein weltweit anderes Friedensbewußtsein. Dieses Belächeln friedfertiger Menschen zerstört unseren Planeten. Es zerstört ihn nicht nur durch die offensichtlichen Kriegsprobleme, die in Form von Millionen flüchtenden Menschen unter unsere ignoranten Nasen gerieben werden, sondern auch im Inneren jeder Gesellschaft, in der Gewalt gegen Frauen kein echtes Tabuthema ist, in der Gewalt gegen Tiere, die wir töten und damit unserem eigenen Planeten das Wasser abgraben… 
Dieser neurotische Zwang der Menschheit, sich stärker zu glauben, wenn man andere Lebewesen schwächer macht, dieser Wahnsinn, das Quälen und Töten anderer Wesen als Normalität zu akzeptieren, wird uns alle töten und tut es schon. Wir sterben an dem Krebs und den Herzkrankheiten, die von Milch verursacht werden, wir lassen hunderttausende Menschen verdursten und verprassen hier die Wassermassen für Schlachtvieh, wir höhlen die Erde aus für die Minerale, die unser jährlich neues Smartphone antreiben, wir stecken Milliarden in Rüstungsindustrie und Fußballvereine, haben aber nicht genug Interesse an der humanitären Bildung der kommenden Generationen, um ebensoviel Geld in kulturelle Bildung zu stecken, Schulklassen auf ein erträgliches Maß zu verkleinern und Pflegepersonal entsprechend seiner Verantwortung zu entlohnen. 
Wir betreiben Selbstmord, und mein tiefster Herzenswunsch global gesehen ist, daß wir damit aufhören. Daß wir lernen, in den Köpfen keine Kleingärtner zu sein, sondern Urwaldbewohner. Daß wir überhaupt einmal lernen, global zu denken und dann zu Hause zu handeln, statt täglich in die Wanne zu gehen, zum Supermarkt 500 m entfernt das Auto zu nehmen, bei böllernder Heizung zu lüften und unreflektiert Lebensmittel zu kaufen, deren Produktion uns den Planeten unterm Arsch zerstört.

5. Hast Du jemals etwas richtig Unheimliches, Gruseliges erlebt? Was war das, wie hat es sich zugetragen?

Richtig gruselig nicht, nein. Ich lege auch keinen Wert darauf. ;-)  Ich habe schon sehr skurrile Dinge erlebt, wie zum Beispiel vor 2 Jahren, als ich in meiner völlig dunklen Wohnung am Rechner saß, und auf einmal alle Lichter angingen. Schlagartig, einfach so. Ich habe mich aber nicht bedroht gefühlt, das war mehr so wie ein "Hallo". 

6. Welchen Tieren fühlst Du Dich besonders verbunden und wodurch?

Ich fühle mich Wölfen besonders verbunden und habe keine Ahnung, wodurch. Ich mag auch alle Arten von Vögeln, Orcas, Elefanten, Kaninchen und natürlich Hummeln. Im Übrigen empfinde ich genauso für bestimmte Pflanzen - eigentlich mag ich sie alle, aber ich fühle mich in Gegenwart von Birken immer besonders willkommen, ich liebe ausgedehnte Buchen- oder Mischwälder, ich liege gerne im Gras und genieße seinen Duft.

7. Würdest Du Dein aktuelles Leben verändern, wenn Du könntest? Wie?

"Wenn ich könnte" bedeutet in dem Fall für mich vermutlich, wenn ich finanziell unabhängig wäre. Naja, dann würde ich wohl die Punkte von Frage vier angehen. :) Weniger unterrichten, mehr verrückte Musikprojekte machen. Und statt in eine kleinere Wohnung zu ziehen, weil sie preiswerter ist, wie ich es gerade tue, würde ich wohl den Besitzern meines Traumhauses ein Angebot machen und sobald sie zuschlagen, den ersten Labrador aus dem Tierschutz holen.

8. Was willst Du auf gar keinen Fall mehr für Dich, was kommt nicht mehr in Frage? Egal in Bezug auf was, es geht um Dich.

Zuallererst jede Form von körperlicher oder psychischer Gewalt. Nie, nie wieder. 
Dann die Musik aufzugeben - ich habe es einmal versucht, das war schlimm. 
Und schließlich mich dafür zu schämen und zu hassen, wie ich bin. Ich habe das 30 Jahre gemacht und es hat nichts verbessert, jetzt habe ich keine Lust mehr darauf. 

9. Worüber würdest Du niemals öffentlich diskutieren und weshalb nicht?

Mir fällt nichts ein, vorausgesetzt, es gäbe einen triftigen Grund für die Diskussion.

10. Welcher Deiner Ahnen war für Dich ein besonderes Vorbild, wer hat Dich in spezieller Weise geprägt?

Öhm - Mama? Meine Großeltern haben nie eine Vorbildrolle für mich gespielt, auch ältere Onkel und Tanten, die ich in großer Zahl habe, nicht. Meine Eltern dagegen schon und meine Geschwister, aber als Ahnen würde ich sie jetzt so noch nicht bezeichnen wollen. :) 

11. Wie wichtig ist für Dich Essen? Ernährung, alles was damit zusammenhängt…

Wie man meinem kleinen Ausbruch unter Punkt vier und der Unterseite mit veganen Rezepten auf meinem Blog vielleicht entnehmen kann, ist mir Ernährung sehr wichtig. Genaugenommen bin ich der Überzeugung, daß sie für jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten überlebenswichtig ist, nicht nur wegen ihres Nährwerts, sondern deshalb, weil sie zum Großteil auf perfideste Art einen kleinen, reichen Teil der Menschheit fett und krank macht auf Kosten des schönen grünen Planeten. Leider sind die meisten der reichen, fetten, kranken Menschen zu bequem und zu sehr in ihrem Ichichich gefangen, um über "das schmeckt mir aber" hinauszudenken.

Was Christoph Maria Herbst dazu sagt: "Wir reden hier von Lebewesen - und ich will, daß diese Wesen leben!"





So, und jetzt habe ich ein Problem: Ich wollte Silberweide nominieren und ihr Blog scheint verschwunden zu sein. Was habe ich denn da verpaßt? O.O Tja, dann findet der Award wohl hier einen Ruhepunkt. 

Montag, 9. März 2015

Onkel Walter freut sich

Mein Vater und ich sind die Musik zu einer Beerdigung. Zur Beerdigung meines Onkels, seines Schwagers. Dieser war 81 Jahre alt, seit langer, langer Zeit schwer krank, ursprünglich mal ein lebensfroher, aktiver Mann, aber in den letzten Jahren hinfällig und, teils als Nebenwirkung der Medikamente, teils wegen der physischen Beschwerden selbst, depressiv und seines Lebens müde. Es tut mir nicht Leid, daß er gestorben ist, denn er hatte es schwer mit seinem Körper, aber meine Tante tut mir sehr Leid, denn die beiden verbindet eine unendlich lange Geschichte - sie war 16 oder 17, als sie sich kennenlernten, die goldene Hochzeit liegt schon Jahre zurück, und da, stelle ich mir vor, ist man derartig zusammengewachsen, daß es sein muß, als würde einem das Herz amputiert. Aber gut, ich bin ein romantischer Mensch, sie dagegen ist sehr pragmatisch, vielleicht kann sie damit besser umgehen als ich es könnte, zumal sie viel besser als ich weiß, wie er sich zuletzt gequält hat.

Papa und ich fahren gemeinsam zum Friedhof, das Wetter ist kalt und der Boden noch feucht vom Regen in der Nacht davor, doch es ist schön und klar. Ein Freund hatte mir Neurexan gekauft und ich habe vorher eine Tablette genommen. Wir dürfen mit dem Auto durch die Friedhofs-Toreinfahrt und rollen langsam bis vor die kleine Kapelle. Fünf Leute stehen da schon, eine andere Tante und ein Onkel von mir sowie ein weiteres älteres Paar und ein einzelner Mann um die fünfzig, die ich nicht kenne. Wir steigen aus und gehen zu dem Grüppchen. Der einzelne Mann und mein Vater reichen sich erst die Hand, dann folgt eine ungeschickte Männerumarmung, die aus einem kurzen Zueinanderneigen mit Schulterklopfen besteht. Ich reche dem Mann distanziert die Hand und sage höflich "Guten Tag", was ihn mitten in der Bewegung zu einer ähnlichen Umarmung wie der für meinen Vater stoppt. Er sieht mich etwas unsicher an, doch ich begrüße schon die anderen. Als ich damit fertig bin, gehen mein Vater, der fremde Mann und ich zum Auto, entladen die tragbare kleine Orgel und bringen sie über eine kaum mannsbreite Wendeltreppe auf die winzige Empore der Kapelle. Der Mann verabschiedet sich und alleingelassen bauen wir die Orgel auf, einigen uns auf die Lautstärke zur Begleitung meiner Lieder und beschließen, ein Klo zu suchen.

Wir müssen dorthin durch die Kapelle gehen, in der fleißig aufgebaut wird. Als wir zurückkommen, begegnet uns dort der fremde Mann wieder und stellt uns der etwas zu fröhlich lächelnden Frau vom Bestattungsinstitut vor mit den Worten: "Mein Onkel - meine Cousine…"
Ups, denke ich.

Als wir zurück sind, kommt der Pfarrer kurz auf die Empore für die letzten Absprachen, dann beobachten wir schweigend den unten stattfindenden Aufbau. Ein Foto von meinem Onkel steht da, mit seiner getönten Brille und diesem schiefgezogenen Mund, von dem man nie weiß, ob er verschmitzt grinst oder entnervt verzogen ist. Unterhalb des Bilderständers sind Kränze von meiner Tante und seinen Söhnen, ich weiß nicht einmal mehr genau, wieviele Söhne es eigentlich waren, denn meine Familie ist riesig und die Cousins sind um die 20 Jahre älter als ich. An den Wänden stehen Kerzen, symmetrisch nach Größe sortiert, in Haltern, die es schaffen, gleichzeitig stilvoll und unaufdringlich zu sein, und in der Mitte neben dem Foto eine kitschig bemalte Vase mit Blumen. Bisher wurde der Sarg noch nicht gebracht oder er steht unter der Empore, außerhalb meines Sichtfeldes. Ich bin sehr dankbar dafür, denn ich habe nahe am Wasser gebaut. Auf die Stühle legt jemand Liedblätter, und zwar auf alle, obwohl mir das recht viel erscheint, denn ein großer Teil dieser riesigen Familie wohnt weit verstreut.

Meine Tante wird hereingeführt. Sie ist nicht mehr gut zu Fuß und stützt sich auf den Arm eines furchtbar verhärmt aussehenden Mannes, der sich lange später als ihr ältester Sohn herausstellt. Beide setzen sich in die erste Reihe und ich entscheide mich spontan für zwei weitere Neurexan. Die anderen Trauergäste folgen, mein Vater spielt schon seit Minuten leise vor sich hin. Als der Pfarrer seinen Platz seitlich des Fotos und der Blumen einnimmt, beginne ich das erste Stück: das Ave Verum. Es folgen eine kurze Begrüßung, ein Gemeindelied, eine längere Predigt, aus der hervorgeht, daß mein Onkel offenbar sein Leben lang begeistertes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr gewesen ist, was ich nicht wußte, ein weiteres Gemeindelied, ein zweites Lied von mir ("Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand"), die Aussegnung, das letzte Lied von mir ("Ruhe still") und es folgt die Musik zum Ausgang. Der ehemals fremde Mann, jetzt wiedergefundener Cousin, stellt sich in ritueller Festlichkeit vor die Gäste, nimmt die kitschige Blumenvase in die Hand und schluckt schwer. Erst jetzt wird mir klar, daß mein Onkel die ganze Zeit da vorne war. In der Urne. Jetzt laufen mir doch ein paar Tränen, und da ich nichts mehr zu tun habe, außer Papas Musik und den Auszug abzuwarten, grabble ich die Wasserflasche aus meiner Tasche und trinke, trinke bis ich vor Trinken und Schlucken nicht mehr weinen kann. Ich habe immerhin die ganze Trauerfeier durchgehalten und gesungen, für meine Tante, der ich eine Zeremonie zum Abschiednehmen ermöglichen wollte, wie sie sie haben wollte.

Wir packen das Orgelchen wieder ein und verladen es ins Auto, dann gehen wir dem langsamen Trauerzug hinterher, schummeln uns an 20 uniformierten Feuerwehrleuten und einigen entfernteren Verwandten vorbei bis zu meiner Mutter und meiner ältesten Schwester, die anstelle einer Begrüßung sagt "Ich hab Dir ne Rose besorgt" und mir selbige entgegenstreckt. Ich denke, daß sie es aus Liebe zu mir getan hat, und wieder tut es mir weh, daß wir uns nie sehen und sprechen können, weil sie ein Arschloch geheiratet hat, aber immerhin ist sie jetzt da und ich sehe, daß es ihr gut zu gehen scheint.

Wir stehen in 2 langen Reihen am Grab. Nach dem gemeinsamen Vaterunser werden Erde und Blumen auf die kleine Senke mit der Urne geworfen. Ich bin die letzte unserer kleinen Hummelfamilie, gehe vom Grab weg und an meiner Tante vorbei, die wegen ihrer schlechten Beine einen kleinen Stuhl bekommen hat. Sie nimmt mich in den Arm und flüstert mir ins Ohr: "Danke, daß Du so schön gesungen hast. Ich glaube, Onkel Walter freut sich."
Und da läuft mir das Wasser in Bächen aus den Augen. Sie tut mir so Leid. Ich tue mir so Leid für den Moment, in dem ich meine Eltern verlieren werde. Menschen, die an nichts glauben als an eine physische Existenz ohne Sinn tun mir Leid für die Hoffnungslosigkeit, die in ihrem Leben die Basis bilden muß.
"Die Engel beschützen Dich" stand auf dem Kranz meiner Tante. Ich frage mich, ob ich vielleicht nicht die einzige in meiner Familie bin, die sich dessen sicher ist. Ob meine Tante wie ich mehr sieht, als sie ausspricht. Falls dem so sein sollte, hat sie auf jeden Fall eine Menge Trost von innen.


Samstag, 1. November 2014

Kürbisauflauf, Rotes Brot, Suchbegriffe Oktober und Miniklugschiß zu Halloween

Da die Hummelmama mir im Oktober noch 2 der wunderbaren Hokkaidos aus ihrem Garten geschenkt hat, gab es vor 2 Wochen Kürbisauflauf bei mir. Ich habe kein Rezept gehabt und keine Lust, eines zu suchen, ich habe einfach improvisiert. 

Den Kürbis waschen, nicht schälen und schlachten. Eine etwa ebenso große Menge Kartoffeln etwas vorkochen - meine sind mit Schale, wie Ihr seht, denn das mag ich sehr gerne und die sind aus einem Sack Biokartoffeln gewesen.

Dann Kürbisstücke und Kartoffelscheiben abwechselnd in eine gefettete Auflaufform schichten. Eine Zwiebel grob schneiden und dazwischenpacken. Das helle Zeug da obendrauf ist getrocknetes Zitronengras, das ich darübergestreut habe, weil ich den Geschmack sehr liebe.


Während die Kartoffeln gekocht haben, habe ich aus einem Päckchen Sojasahne, etwas zusätzlicher Sojamilch, Brühpulver, viel Pfeffer, etwas Koriander und einer guten Handvoll gerebeltem veganem Käse eine Käsesahnesauce zusammengerührt und die über das Gemüse gekippt. Obendrauf nochmal eine Schicht Wilmersburger Pizzakäse und ab in den Ofen für 20 Minuten.


Wieder draußen: Omnomnom. Da ich ein Fan von Saucen bin, hätte die Flüssigkeitsmenge für mich etwas höher sein können, aber es war ausgesprochen lecker. Da ich diese riesige Menge unmöglich alleine wegessen konnte, habe ich die Hälfte eingefroren. Auch aufgetaut und in der Pfanne erhitzt schmeckt der Auflauf echt gut. :)




Das zweite Rezept ist eines für Brot - ich habe ein Rezept aus einem Brotbackbuch abgewandelt, weil ich die Hälfte der Zutaten nicht hatte oder nicht nehmen wollte (genaugenommen benutze ich dieses Buch immer nur, um nachzuschlagen, wieviel Flüssigkeit auf soundsoviel Mehl kommt ^^) - und es ist unbeabsichtigt zu einem schönen, orangeroten Halloweenbrot geworden.

Da ich einen Brotbackautomaten benutze, liste ich einfach nur die Zutaten auf, in der Reihenfolge, in der ich sie in die Backform gegeben habe. Selbstverständlich könnt Ihr das auch mit Frischhefe und im Ofen vorbereiten, dann einfach die üblichen Gehzeiten für den Teig beachten.

200 ml Wasser
50 ml Olivenöl
500 g Dinkelmehl
100 g getrocknete Tomaten aus dem Glas, kleingeschnitten
1 TL Salz
1 EL Röstzwiebeln (man kann auch eine halbe frische Zwiebel hacken)
frischen Rosmarin ca 1 TL
sehr viel Pfeffer und etwas Chili aus der Mühle
1 Päckchen Trockenhefe



Das Programm für Vollkornbrot macht daraus das hier:


Angeschnitten sieht es besonders schön aus. :)  Und das tolle ist, daß es beim Schneiden nicht zerbröselt, wie mir das öfter mit Broten passiert, die die doppelte Menge Wasser, aber nur einen EL Margarine oder Öl verwenden. Es hat eine schöne feste Form von außen, läßt sich gut schneiden, schmeckt pikant und fluffig und wird definitiv wieder gebacken.


Soweit Hummel in der Küche.



Dann kommen wir doch mal zu den Suchbegriffen des Oktober. 


hummel blog - Willkommen!

hummel im flug - Hier bitteschön

du willst kein sex mehr - Ich will vor allem kein    falschen Akkusativ mehr.

muss man verliebt sein um sex zu haben? statistik - Ich würde spontan sagen, nee, muß man nicht, auch wenn es bestimmt umso schöner wird, je mehr man seinen Partner mag. Eine Statistik darüber, wie das Verhältnis von Verliebten und Nichtverliebten dabei ist? Das läßt sich doch kaum einordnen, selbst von Betroffenen. Außerdem produzieren wir beim Sex Oxytocin, das alles durcheinanderbringt.

flatterhafts imma - Flatterhaft simma und guad is? Oder mehr so wie I wül wos Flatterhafts imma amol?

hände schütteln mit schatten - Ja dann trefft Euch mal unterm Sonnenschirm.

quittenlikör blogspot - Findest Du hier. Habe vorgestern die letzten Reste geleert.

salat mit mais - Lecker! Salat, Tomaten, Mais, Zitronensaft, Olivenöl, angeröstete Pinienkerne, nicht mehr aufhören können zu essen. 

herbst sturm malen - Ich habe keine Ahnung, wie man einen Herbststurm malt. Ich male fast ausschließlich Gesichter oder Symbole. Aber der Suchbegriff klingt lustig. Ich stelle mir einen Oger mit Pinsel vor, dessen 2 Gehirnzellen grunzen: Herbst! Sturm! Malen! 

viele denken ich wäre toleranz dabei ist mir das meiste einfach scheiß egal bild himmel - 



maya fiennes - wurde wohl wegen des Kommentars unter meinem Yogapost hier gesucht. Ich habe noch nicht über sie geschrieben, da ich bis letzte Woche nie von ihr gehört hatte, aber wen es interessiert, der kann sich ja mal auf ihrer eigenen Seite umsehen.

presspappe - Kein Monat ohne Dich, mein Freund, und alles nur, weil ich mal ein Mobile für meinen kleinen Neffen gebastelt habe. :)


Und da ich gestern im Radio 2 Moderatoren darüber habe diskutieren hören, was Halloween eigentlich für ein Fest sei, und sie zu keinem Schluß kamen, obwohl (!) sie den Wortursprung kannten, möchte ich an dieser Stelle mal darauf hinweisen, daß der Grund zum Feiern nicht ist, sich mal verkleiden zu dürfen, auch wenn man Karneval ablehnt und auch nicht, daß die Spielzeugindustrie nix unversucht läßt, sondern daß es ein Totengedenkfest ist. 
Daß aus einem Ahnengedenken und dem Glauben, daß in dieser Nacht die Geister wandeln, eine gigantische bunte Monsterparty geworden ist, stört mich nicht im Mindesten. Aber daß keine Sau weiß, woher das alles kommt, finde ich traurig.

Na gut. Ich glaube, im letzten Jahr habe ich Euch zu Halloween / Samhain season of the witch auf die Ohren gegeben von den Strangelings. Dieses Jahr wird's ein wenig härter. 







Sonntag, 14. September 2014

Wochenrückblick

Bevor gleich ein Telefonat mit einer lang nicht gehörten Freundin beginnt und ich danach mit einer anderen Freundin ins Kino gehe (Drachenzähmen leicht gemacht 2), versuche ich mal, die Woche Revue passieren zu lassen.
Und wo ich das so schreibe, fällt mir als eingefleischtem Sprach-Nerd auf, daß ich schon länger mal erwähnen wollte, woher das Wort "passieren" eigentlich kommt, nämlich von "passer", was französisch ist für "vorübergehen". Darum heißt es auch, etwas sei passé, was dasselbe Wort in der Vergangenheitsform ist. Ist das nicht irgendwie gut zu wissen? 'Mir ist etwas Schlimmes passiert' sagt eindeutig aus, daß es an mir vorübergegangen ist. Es hat mich vielleicht im Vorbeigehen mit voller Wucht in die Magengrube geboxt, aber es ist nicht bei mir stehengeblieben.

[Wetter] War herbstlich. Immer so 14-20 °C, leicht regnerisch, eigentlich schön. Die Bäume werfen das Laub jetzt mit vollen Händen auf die Straßen und ich hatte das erste Mal das Bedürfnis, die Heizung einzuschalten.

[Gesundheit] Bah. Letzte Woche noch total erkältet, diese Woche ging eigentlich gut los, aber seit 2 Tagen habe ich Ohrenschmerzen wie bekloppt. Vielen Dank, Job A, für die extrem gute Zuluftanlage, die selbst dann weiterfeuert, wenn man sie ausschaltet, und die noch nicht ans Heizsystem angeschlossen ist. Stundenlange Proben bei 14 Grad fordern jetzt Tribut und ich habe ja im Prinzip nichts gegen Erkältungen, aber Ohrenschmerzen sind Hass und Panik in Reinkultur. Jetzt auch noch Magenschmerzen von den 2 Aspirin heute früh… der Tag kann losgehen.

[Gesehen] Einen wunderschönen Vollmond. Supermond wohl, der dritte in diesem Jahr. Aber ich finde ihn in Horizontnähe ja immer groß und sowieso immer super. ^^



[Gehört] Donnergrollen. Viele lustige Geräusche vom pelzigen Mitbewohner. Dudelmeditationsmusik.

[Gelesen] Bin noch bei "Der Club der Unsichtbaren Gelehrten" und bislang von der Entwicklung der Geschichte angetan, aber von der Übersetzung schwer enttäuscht. Das erste Scheibenweltbuch, wo die Protagonisten sich siezen. Hallo?! Dazu eine holprige, unübersichtliche Sprache, als hätte da irgendwer ohne Sinnzusammenhang nur die Einzelwörter korrekt übersetzt, aber gar nicht, also wirklich überhaupt nicht, auf die Sprachentwicklung geachtet. Zum Weinen, wirklich, der ganze Witz geht flöten oder muß mühsam aus dem Geschwurbel herausdestilliert werden. Hat der neue Übersetzer die letzten 50 Bände nicht gelesen? Wo ist Andreas Brandhorst, wenn man ihn braucht?
Die erste Flow meines frisch erworbenen Zeitschriften-Abos. Ich habe in der Pause auf der Arbeit gestern angefangen, darin zu blättern, bis sie mir von einem Kollegen weggerissen wurde, der sie auch interessant fand. :D
Nur wenig auf Blogs und in Foren.
Unglaublich nette Nachrichten von einem neuen Mitglied meines Chores.

[Gemacht] Einen Wochenplan aufgestellt, um mich ein bißchen besser zu organisieren. Ich mag nicht einen Tag in der Woche fix als Putztag einrichten; lieber verteilt kleine Aufgaben machen, die in maximal einer Stunde erledigt sind. Bisher funktioniert er so halb. Die Tage, an denen ich in Job B bin, habe ich sonst nichts reingeschrieben. An meinem freien Tag steht dafür "Bad putzen". Ich nehme an, wenn es in Job A wieder richtig rund geht, also praktisch ab sofort, pfeife ich ohnehin auf alles und gehe einfach nur noch schlafen, wenn ich nach Hause komme, aber es ist mir einen Versuch wert.
Den Kühlschrank abgetaut. Der ist so fest verbaut, daß ich die Steckdose nicht gefunden habe, also habe ich kurzerhand die Sicherungen alle ausprobiert, bis ich die richtige gefunden hatte. Das Eis hatte bereits den halben Innenraum für sich erobert. Beim Abtauen entstanden lustige Löcher darin, so daß er aussah wie

Grumpy Fridge!


Grumpy Fridge war nicht glücklich. Er hat das Eis nur sehr widerwillig hergegeben, anfangs zart tropfend, dann mit Hilfe eines Föns und letztlich (nach etwa 6 Stunden) habe ich auf ihn eingeschlagen. Man glaubt gar nicht, was so ein alter Einbaukühlschrank in sich birgt.


[Gegessen/Getrunken] Viel billige asiatische Nudelsuppe aus der Tüte. Manchmal bin ich regelrecht süchtig nach dem Zeug. Mein täglich Vitabiosa - die erste Flasche neigt sich schon -, Kaffee, Malzkaffee und gesunden Tee, weil es nötig war. Eine Tafel Schakalode und 4 Stücken Bitterschokolade (von der ich kein großer Fan bin, aber es gab nichts anderes Veganes in der Süßwarenabteilung und manchmal muß einfach Schokolade her). Bananen, Tomaten, Pasta, Brot, das Übliche.

[Geärgert] Über die arschkalte Probe in Job A.
Über einen Bekannten, der sich so unendlich dämlich anstellt, daß ich diesen Kontakt wohl dezent werde einschlafen lassen. Falls das nicht geht, dann eben undezent. Ich bin ein sehr (wirklich SEHR) geduldiger Mensch und nehme jede Macke an anderen erstmal hin, denn ich weiß, niemand wird als Arschloch geboren und fast alle Menschen machen nervtötende Dinge nicht mit Absicht, sondern weil sie es nicht besser hinkriegen. Aber das bedeutet nicht, daß ich immer nur einstecken und verständnisvoll lächeln muß, wenn mich jemand aus dem Nichts verbal angreift, und jetzt ist es einfach mal gut.

[Gefreut] Über Mitspieler. Über nette Kollegen. Über den Herbst. Über den abgetauten Kühlschrank.

[Bewegt] Mich in der zweiten Yogastunde, zu der ich prompt zu spät kam.
Autochen hat die nächste Wegmarke geknackt:



[Geweint] Heftig und lange. Scheiß Ohrenschmerzen. Ich will nicht wieder taub werden. Ich habe solche Angst davor. Als würden Tinnitus und chronisches Ohrenjucken nicht reichen, um mich halb in den Wahnsinn zu treiben.

[Gelacht] Auf der Arbeit, im Chor, in Azeroth.

[Gekauft] Mein täglich Brot, sonst nichts.

[Gedacht] Ach so ist das.
Bin das nur ich oder haben andere Leute im Moment auch so ein extrem wackliges Gefühl im Leben? Als würde man während eines Erdbebens über eine Spalte stehen.
Die Laif-Saison geht los.

[Spirituelles] Den Vollmond genutzt, um mal etwas für mich selbst zu werkeln. Das tue ich selten genug, und ich hatte die Schnauze voll von Leuten in meinem Leben, die glauben, sie könnten mich irgendwie gegen meinen Willen vereinnahmen, über mich lästern, mich verleumden oder mir sonst irgendwie ans Bein pinkeln, und da hab ich mal zugeschlagen.
Für mich spielt tatsächlich Feuer immer eine Rolle in Zaubern/Ritualen/Wiemanesnennenwill, und die Art und Weise, wie eine Flamme oder ein Räucherstäbchen brennt, scheint für mich zu widerspiegeln, was ich da in Gang setze oder wie es sich durchsetzen kann. Diesmal habe ich eine schwarzrote Kerze genommen, etwas bearbeitet und sie in ein Glas gestellt zum Abbrennen. Sie hat nur einen Tag dafür gebraucht, was ich bei ihrer Größe schon erstaunlich fand. Ich habe auch einen Zettel mit abgebrannt und die Asche unten im Glas liegenlassen, und als die Kerze da unten ankam, ging plötzlich alles in Flammen auf:


Holla, die Waldfee. Das schlug bis über den Glasrand, und das Ding ist gut 30 cm hoch. Ich habe erstmal das Kerzenglas sicherheitshalber in eine Auflaufform gestellt, falls es die Hitze nicht aushält, aber ich habe es nicht gelöscht - ich dachte mir 'Laß die mal machen'. Als das Feuer ausging, war auch wirklich beinahe nichts mehr übrig, statt der sonst oft fingerdicken Kerzenreste, die man so rauskratzen muß:




Jetzt bin ich ins Kino… mal sehen, wie die Ohren das mitmachen. Und dann verbuddel ich mich zu Hause, inhaliere, kuschel mich in die Kapuze und brummle ungnädig vor mich hin.

Sonntag, 17. August 2014

Urlaubs- und Wochenrückblick

Los geht's.

[Wetter] war schön, sommerlich bis 38°, dann auch wieder runtergekühlt auf 21°, zwischendurch mal heftiger Regen und Gewitter, aber nicht so oft, daß man trübsinnig wird.

[Gesehen] habe ich einen Teil Deutschlands, den ich schon kannte, mit Ecken darin, die ich noch nicht kannte. Und diese Woche wieder Heimat. Den Vollmond letztes Wochenende.
Außerdem Filme: Despicable Me (sehr lustig)


Mystery Science Theater (ohne Worte)

Zwei wie Pech und Schwefel (meine Terrence & Bud Zeit ist vorbei, glaube ich)


Mucha Sangre (genau wie der Titel sagt, splattert so vor sich hin und ist stellenweise auch komisch; wobei mir El dia de la bestia  [der außer seinem spanischen Ursprung glaub ich nichts mit Mucha sangre zu tun hat]wesentlich besser gefallen hat)


Bernd das Brot - mein Gott, wie konnte nur Bernd das Brot an mir vorübergehen? Ich liebe ja mein fernsehfreies Leben, aber dieser misanthroposche Klotz ist einfach nur perfekt.

[Gehört] Schöne und doofe Musik. Schlimmes über und von jemandem, den ich für einen möglichen Freund gehalten hatte. Sehr Nettes von anderen Menschen. Miauen und Bellen. Züge, Stadtlärm, Autos. Gute Freunde am Telefon.

[Gerochen] Nasses Gras, Zigarettenrauch, Katzenklo, Rosenshampoo, Süßwasserduft bei Starkregen, leckeres Essen, Grillkohle, frisches Brot.

[Gegessen/Getrunken] Hugo! Njamnjam. Gibt's auch in Waldmeister:


Jemand hat mir eine Scheibe Wassermelone gegrillt. Entgegen jeder Erwartung ist sie nicht einfach durch das Rost geflossen, sondern an den Außenseiten karamellisiert - es funktioniert also und wird sogar noch süßer dadurch. Nicht unbedingt mein Geschmack, aber mal was überraschend anderes.
Tomaten und Erdbeeren vom Balkon:


Zum ersten Mal ausprobiert habe ich eine Falafel-Mischung zum Anrühren, die sehr leckere Ergebnisse brachte (ich habe dazu Kichererbsen-Avocado-Hummus gemacht und Kresse drübergestreut):


Dann habe ich noch Möhrensuppe gekocht und das erste Mal selbst Frühlingsrollen gemacht. Beides ist ausgesprochen lecker geworden.



Veganes Schokoladeneis - und mein geliebter frisch gemahlener Kaffee auf Grund natürlich.




[Gelacht] Viel. Katzen, die lustig daliegen oder auch mal einen Schluck Bier wollen:




Fundstücke:




Ortsnamen:


Und einfach so, mit Freunden.

[Geweint] Nein, auch wenn ich nach dem Urlaub immer ein bißchen durchhänge, nicht so recht weiß, wie ich mein Leben meistern soll, keine Ahnung habe, wo ich hingehöre und mich eigentlich nur verstecken und die Tatsachen nicht wahrhaben will.

[Gefreut] Über sehr, sehr vieles.
Über die ehrliche Anteilnahme und freundliche Anerkennung einer Frau, die ich noch nicht lange kenne, als ich ein großes Problem hatte.
Über schöne Dinge am Wegesrand:


Über sehr interessante neue Bekanntschaften.
Über eine besondere Zusammenkunft mit lieben Freundinnen.

[Geärgert] Wie bekloppt. Ich war zornig, ein bißchen ängstlich und absolut fassungslos über das Verhalten eines Menschen, den ich viel zu lange völlig anders eingeschätzt hatte. Bin ich eigentlich immer noch, aber mittlerweile hat mir die eben genannte Frau, die von ihm meinetwegen belabert wurde, geschrieben und gesagt: Hummel, mach Dir keinen Kopf, wir wissen, wie wir den Mann und was er sagt einordnen müssen. Bitte bleib ein so menschenfreundliches Wesen, wie Du bist.
Naja, und wer kann sich da noch wirklich weiterärgern?
Außerdem habe ich mich tierisch geärgert, als der Hund meiner Eltern vermutlich einen Giftköder gefressen und einen ganz schlimmen Abend hatte. Zum Glück ist sie so ein riesiges Kalb, daß es ihr inzwischen wieder gut geht. Mein Prinzesschen.



[Gelesen] Das schlechteste Buch über Magie, das ich je in der Hand hatte.


Kranker Typ, der Autor. Ich habe auf jeder Seite den Kopf geschüttelt, auch darüber, wie weit Menschen nicht nur mit ihren Ansichten, sondern offenbar auch mit ihren Praktiken gehen. Gruselig.

Dann habe ich den Drachenbeinthron-Zyklus weitergelesen und gerade den vierten und letzten Band begonnen.
Postkarten von einer Freundin und einer Schwester.
Fremde Wochenzeitungen mit lustigen Stellenanzeigen, die zu 80% explizit an attraktive junge Frauen gerichtet waren.
Wanderkarten.

[Gedacht] Arschloch. (--> [geärgert])
Hoffentlich passiert Euch genau das, was Ihr diesem Hund antun wolltet.
Falls es Krieg gäbe, hätte ich mehr Mitleid mit Tieren als mit Menschen.
Neiiiin, wie lieb. (Jemand hat mir vegane Kekse gebacken.)
Ich muß abnehmen.
Ich will Schokolade.
Ich muß abnehmen.
Ich will Schokolade.
…

[Bewegt] wurde ich körperlich von Auto und Bahn.


Und innerlich von Worten, unkomplizierter Zuneigung, Leuten, die zu mir stehen.

[Gemacht] Sightseeing. Wandern. Fotografieren. Lesen. Brettspiele. Powerkrauling diverser Katzen. Tagebuch wieder regelmäßiger geführt. (Ich habe beschlossen, einfach alles in einem Buch zusammenzuschmeißen, wofür ich sonst verschiedene Bücher hatte. Das macht einen ja wahnsinnig. Und es ist ja letztlich doch nur für mich, also warum sollte ich ein extra Scrapbook für irgendwas führen, wenn ich die schönen Dinge auch einfach ins Tagebuch kleben kann?) Baden gehen.


[Geschenkt bekommen] Kleidung, die ich mir selbst nie gekauft hätte, die aber zugegebenermaßen an mir ganz gut aussieht. Trotzdem bin ich kein Typ für Pastellfarben; ich habe es gerne kräftig. :) Aber das läßt sich ja auch alles kombinieren.
Einen Koffer. (Ja, wirklich. Er ist toll.)
Einen Gutschein über 10 Gesangsstunden. Boah, Wahnsinn!

[Gekauft] Schwarze Kerzen. Wart's nur ab, Du Mistkerl, mir ist der Humor vergangen.
Sehr schöne Bettwäsche (da mußte nämlich altes Zeug ausgemistet werden, das ich schon seit der Schulzeit benutze und das vom Waschen zu kurz und schon zerlöchert war). Einmal hübsch und romantisch und einmal dunkelrot mit Rentierbildern und Kuschelfaser. Die ist so kuschlig, ich werd wahnsinnig!


[Kreatives] Nicht wirklich, momentan ist alles Arbeit, nichts inspiriertes.

[Spirituelles] Mein Bildschirmschoner spricht mit mir. Das ist ja nicht neu, aber heute hat er sich zum ersten Mal einen Musikbegriff gewählt und den wiederholt. Und zwar wieder und wieder und wieder. Und als er fertig war, sagte er:


Deism, matrix, transcend. Hmm, nagut, wenn er meint.

Ein wunderwunderschönes Lammasritual zu fünft bei Athena. Darüber hat sie schon geschrieben, ich wiederhole da mal nichts, nur soviel: Ich habe es unglaublich genossen, und ich vermisse wieder und wieder die Möglichkeit, solche Dinge öfter mit mir vertrauten Menschen zu machen.

[Dankbar] Menschen, Aufrichtigkeit, meine Eltern, mein Bruder.
Schokolade.


Donnerstag, 27. März 2014

Dankbarkeit

Feona hat auf ihrem Blog eine Blog-Initiative zur Dankbarkeit gestartet, auf die ich hiermit Bezug nehmen möchte. Bei Feona geht es darum, 1000 Dinge oder Umstände aufzulisten, für die man dankbar ist. Wie jeder das tut, ist persönliche Entscheidung - durch eine Unterseite auf Euren Blogs, ein hübsch gestaltetes Buch zu Hause, Post-Its am Bürotisch, jeder wie er mag.
Da ich selbst überhaupt kein Typ für Listen  und erfüllte Sollzahlen bin, werde ich daran in dieser Form nicht teilnehmen. Da ich aber gleichzeitig jemand bin, der für sehr viele Dinge sehr, sehr dankbar ist und da ich es für wichtig halte, mir diese Dinge auch immer wieder gewahr zu machen, besitze ich schon seit Jahren ein großes, dickes Dankebuch, in dem zum Beispiel Postkarten von Freundinnen aufbewahrt werden, Eintrittskarten von schönen Museums- oder Kinobesuchen, kurze Notizen über Dinge oder Situationen, über die ich mich freue und für die ich dankbar bin.
Außerdem gibt es in meiner Wohnung ein schmales Bücherregal im Flur, das ich als eine Art Danken-und-Bitten-Schrein benutze - da brennt mal ein Ewiglicht für einen kranken Freund, für den ich damit bitten will, oder es steht eine Blume da, die ich nach einem Konzert bekommen habe, wofür ich dankbar bin. Das ist vielleicht nicht notwendig, aber ich finde, einen festen Platz dafür zu haben, fokussiert die Aufmerksamkeit, und schließlich (oh, ich kann meinen Lieblingssatz wieder anbringen *jubel*): Energie folgt Aufmerksamkeit.

Und warum eigentlich? Warum sollen wir dankbar sein, in dieser Welt, in der viele von uns am Existenzminimum leben, ob nun durch HartzIV oder mit 3 Jobs macht ja da keinen Unterschied, in dieser Welt, in der Tiere auf so horrende Arten und Weisen zu Lebzeiten und im Tod gequält werden, in der es Kriege, Hunger, Verbrechen aller Arten gibt, in einem Leben, in dem jeder von uns (zumindest jeder meiner Freunde) schon irgendetwas wirklich Schlimmes, tief Verletzendes erlebt hat - ist das nicht dämliches Licht-und-Liebe-Geschwafel, reden wir uns die Welt nicht schön, während wir Augen und Ohren vor der Realität verschließen?

Ja, genau das tun wir, wenn wir danke sagen, ohne uns dankbar zu fühlen. Wenn wir unsere Ängste weiter schüren, wenn wir nur danke sagen, weil man uns das anerzogen hat, aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen behalten, weil wir etwas besitzen, weil uns etwas zuteil wurde - es ist das Gefühl, das tiefste Bauchgefühl, das uns die Wahrheit sagt.

DANKE sagen bedeutet: Ich sehe, daß mir etwas geschenkt werden soll. Ich freue mich, dieses Geschenk zu erhalten. Ich nehme das Geschenk an und akzeptiere, es verdient zu haben. Ich freue mich ganz und gar unbeschwert über diese Gabe.
Es bedeutet auch, Situationen voll und ganz anzunehmen als das, was sie jetzt gerade sind. Ich bin dankbarer dafür, einige wunderbare Menschen kennengelernt zu haben, als ich traurig darüber bin, daß ich sie wieder verloren habe. Diesen Punkt zu erreichen braucht natürlich seine Zeit, aber irgendwann kann man durchaus sagen "es ist, wie es ist, und ich bin dankbar, so viel erlebt zu haben".

DANKE bedeutet nicht: Ich nehme alles an, was mir aufgedrängt werden soll, weil Ablehnung unhöflich wäre (insbesondere denke ich dabei an aufgedrängte menschliche Gesellschaft). Oder ich nehme Dinge an, über die ich mich tatsächlich freuen würde, habe aber ein tierisches Schuldgefühl dabei und überlege die ganze Zeit, wie ich etwas Gleichwertiges zurückgeben kann. Falls ich das nicht schaffe, fühle ich mich doppelt schuldig und verankere in meinen Verhaltens- und Denkmustern "Geschenke machen mich schuldig, ich habe sie nicht verdient".
Es bedeutet auch nicht: Ich muß vor Demut auf den Knien rutschen, bis sie bluten. Und es bedeutet ganz sicher nicht, sich erst im Verhältnis zu anderen dankbar zu fühlen - wer erst dankbar sein kann, wenn er mehr hat als andere, egal was er selbst gerade braucht, sorry, der hat das Leben im Grundsatz nicht begriffen.


Also: Dankbarkeit muß ehrlich empfunden sein, sonst macht sie nicht glücklich. Daher lege ich jedem, der hier liest, sehr ans Herz, nicht nur mit der Begeisterung eines kleinen Kindes, das schöne Steine und Blätter sammelt, Eure Gründe für Dankbarkeit zu sammeln, sondern darüberhinaus, beim Danke-Sagen in Euch hineinzuspüren: Bin ich wirklich unbeschwert dankbar oder nagt da etwas an mir? Falls ja, was ist es? Stört mich, daß jemand neidisch sein könnte? Möchte ich das Geschenk teilen oder ganz für mich behalten (beides ist gut und richtig, je nachdem, wie es sich für Euch anfühlt)? Fühle ich mich schlecht, weil ich so oft nehme und so wenig zu geben habe? Ist das tatsächlich so oder kann ich vielleicht andere Dinge geben als Materielles? Kommt das Geschenk von Herzen oder möchte mich da jemand in eine Abhängigkeit drängen? Freue ich mich nur, weil ich es nicht bezahlen muß, obwohl ich es eigentlich gar nicht brauche? (Immer ein Ausschlußgrund für mich.)

Und übrigens: Viele Menschen schämen sich, dankbar zu sein. Glücklich zu sein. Zufriedenheit auszustrahlen. Sie haben Angst, zu zeigen, daß es ihnen gut geht - vielleicht Angst, daß ihnen das weggenommen wird, worüber sie glücklich sind, wenn sie es zu sichtbar machen; vielleicht Angst, daß ihnen von weniger begüterten oder weniger mit Glück gesegneten Menschen Neid und Mißgunst entgegengebracht werden und sie ihre Freunde verlieren; vielleicht auch, daß sie nie mehr vom Leben im Allgemeinen beschenkt werden, wenn sie jemals alles haben, was sie brauchen. Sie fangen gar nicht erst damit an, sich zu freuen, sondern strahlen nach außen immer gedämpft aus einem selbstkonstruierten Jammermantel heraus.
Auf die Frage, wie es jemandem geht, hört man doch meistens ausweichende Antworten ("muß ja", "geht schon" oder meine liebste Anti-Antwort "und selbst?") oder direkt ein Jammerlied: Heute Kopf, gestern Bauch, morgen kommt bestimmt der Zahnschmerz wieder, ich merk da schon das erste Vorzeichen, und finanziell sieht es auch wie immer beschissen aus, dabei sind wir aber ständig überarbeitet, und die Arbeit macht selbstverständlich keinen Spaß. Ich finde das ganz, ganz traurig, denn ich glaube wirklich, diese Konzentration auf das, was schmerzt, gibt dem Schmerz viel zu viel Fokus und Raum in unserem Leben. Was bleibt ihm denn da übrig, als sich wohlzufühlen und breit zu machen?

NIE gibt jemand die Antwort: "Super." Außer mir, ich betreibe das seit einigen Monaten als Sport. ^^ Und die Leute glauben mir nicht! Manche sind ganz fassungslos und sagen sowas wie "Das gibt's doch nicht - aber bei Deinem Arbeitspensum! Du hast doch nicht mal freie Wochenenden! Und keinerlei Sicherheiten! Und immer dieses Gefahre über die weiten Strecken!" Ja klar, aber dennoch - ich bin glücklich, denn ich darf jeden Tag Musik machen. Ich bin dankbar, davon leben zu können. Nicht großartig leben, aber ich muß keine Angst um meine Miete haben und konnte mir letzten Monat neue Schuhe kaufen - ich habe schon wesentlich schlechter dagestanden und ich bin wirklich, ehrlich jeden Tag wieder dankbar dafür, das alles tun zu können, was ich tue, ohne grundlegende Existenzängste. Meine Gesundheit ist in Ordnung, mein Sozialleben ebenfalls, ich habe sogar noch Zeit, zwei sehr schönen Hobbies nachzugehen, und ich finde wirklich, wenn es mir so gut geht, kann ich das auch ausstrahlen. Vielleicht steckt es ja ein paar Leute in meiner Umgebung an und sie strahlen mit und freuen sich über das, was sie haben, statt irgendwelchen anderen Dingen nachzujammern. =)

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Dankbarkeit gemacht?

Hier noch was zum einLuLen ;-)



Dienstag, 27. August 2013

Irland 09 - Dublin

Das war ein verdammt langer Tag. Ein verdammt langer Tag. Und für meinen Geschmack hätte er noch dreimal länger sein dürfen - Input, Input, Input. Die Hummelmama hat sehr tapfer durchgehalten. Also macht Euch auf einen langen, bilderreichen Beitrag gefaßt.

Wir hatten drei Ziele. (Hummelchen wieder ohne richtige Peilung, einfach mal losgehen und so.) Das erste war das Trinity College mit dem Book of Kells und wenn möglich dieser schönen Bibliothek, die man so von Postkarten kennt.

Nach einer ganzen Weile Anstehen kamen wir in die Ausstellung, deren Kronjuwel das Book of Kells ist. Vorher wird man umfassend zum Thema Buchbindekunst unterrichtet, sehr schön aufgemacht und wirklich interessant. An den Wänden waren riesig vergrößerte Motive aus dem Buch selbst als Erklärbeispiele, es wurde auf die Schreiber und Illustratoren des Buches eingegangen sowie ganz allgemein darauf, wie das Papier und die Tinten hergestellt wurden und dergleichen.

Das Buch selbst liegt dann in einem Raum, in dem man nicht fotografieren darf, in einer Vitrine. Und direkt daneben lag das Book of Armagh. Hach. =) In letzterem ist die älteste überlieferte Abschrift der Confession of St Patrick erhalten, aber die war gerade nicht aufgeschlagen, sondern die erste Seite der Apokalypse.

Um wieder aus dem Ausstellungsareal herauszukommen, das so flughafenmäßig organisiert war mit Besucherleitsystem ^^, mußten wir zwangsläufig durch die Bibliothek, von der wir gehofft hatten, daß wir sie sehen dürften. Na wunderbar. :D

Einiges lasse ich mal einfach ohne Worte stehen, weil ich es ohnehin nicht beschreiben könnte, wie ich es empfunden habe. Klicken lohnt sich.

Büsten von Schriftstellern standen an jedem Regalende. Hier der Shakespeare:




Der Mittelgang war in der Mitte mit Vitrinen bestückt, in denen wirklich Schätze lagen, die einem die Augen übergehen lassen. Hier ein Beispiel arabischer Buchbindekunst:


Irlands älteste Harfe, kaum zu fotografieren, aber ich habe es dennoch versucht:


Die Ledertasche des Book of Armagh ♥ :


 Und nochmal ein Blick in den Raum. In einen Bruchteil des Raumes.


Wieder draußen schlenderten wir weiter in Richtung St Patrick's Cathedral. Dublins Straßen haben ja auch immer mal kleine Leckerbissen für das Auge. Musizierende Engel zum Beispiel.


Für Feona fotografiert:


Und hierbei schießt mein Kopfkino natürlich sofort Kabolz:


Wir kamen am Dublin Castle vorbei, von dem wir gar nicht wußten, daß es eines gibt:


Und an einer Reihenhausreihe mit Motiven aus Gullivers Reisen an den Außenwänden, das war so niedlich:






Bis wir schließlich durch den Pairc Naomh Padraig gegangen sind, auf die Kathedrale zu.


Irgendwie erschien sie mir immer größer, je näher wir kamen.


Solche Schrägbalken gibt es auch am Kölner Dom und da fand ich sie auch so schön:



Für Insider: Sie sind überall!


Und dann die Kathedrale.


Ich mag ja immer diese in die Torbögen eingemeißelten Gesichter. Dieser hier erschien mir unheimlich sympathisch und vertrauenswürdig - und wie aufwendig die Halskrause gestaltet ist!


Im Eingangsbereich eine große, gußeiserne Lampe auf jeder Seite mit diesem Motiv im Ständer:


So eine Lampe hätte ich natürlich auch gerne. ;-)
Der Übersichtsplan der in der Kathedrale zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten macht deutlich die Prioritäten klar - der Schriftsteller (und übrigens auch Dekan dieser Kirche) Jonathan Swift, von dem wir alle praktisch nur den Gulliver kennen und nichts von seinem sonstigen Wirken, politisch und schriftstellerisch, kommt ganz vorne.


In dieser Kathedrale gab es mehrere Dinge, die mich wirklich gerührt haben. Dies hier war das erste:


Auch auf einem der schönen Glasfenster haben wir oben einen Patrick, unten einen Barden oder vermutlich Brian Boru, ich finde das einfach nur genial.


Leicht verschwommener Blick in die Kathedrale (tut mir Leid, das Licht war echt schlecht und ich hatte kein Stativ).


Dies hier war das zweite, das mich berührt hat - eine kleine Bronze, die Patrick darstellt, von einer zeitgenössischen Künstlerin erschaffen. Und sie sieht ihn offenbar ähnlich wie ich; keinen überhöht-attraktiven Mann, auch keinen würdevollen Alten mit Rauschebart, sondern einfach jemand, der gefesselt war, nicht nur einmal in seinem Leben gefangen, versklavt, geschlagen, am Hungern, und der sich da immer wieder am eigenen Glauben herausgezogen hat.



An den Wänden verliefen schmale Metallbänder mit Auszügen aus St Patrick's Breastplate - wenn man einmal um die ganze Kirche herum ist, hat man das gesamte Gebet gelesen, glaube ich. =) Schöne, Idee, oder?


In der "music" Ecke der Kathedrale hat irgendwann mal eine wohl unerhöhrt aufsehenerregende (im positivsten Sinne) Aufführung des Messias von G. F. Händel stattgefunden. Noch zu seinen Lebzeiten, glaube ich. Hier die Kopie des Halleluia aus der Zeit.


Die Bank fand ich einfach nett, denn das ist kein Ausstellungsstück. Das ist zum Sitzen da. ^^


Und dann bin ich ja fast umgekippt:


Ja! Echt! Da hing ein gesticktes Wappen vom Order of St Patrick! Es gibt einen Order of St Patrick! Und es ging noch weiter:


Die Quelle, an der Patrick angeblich irgendwann das erste Mal getauft haben soll und um die herum die Kirche entstanden ist, sieht heute so aus:


Ein Musikengelfenster:


Und eines, das die drei wichtigsten Bischöfe dieser Kathedrale zeigt. Der mittlere ist Patrick, die anderen beiden Daten, wenn es denn auch Sterbedaten sein sollen, sagen mir jetzt nichts. 


Und nach derartig viel Christlichsein und so mußten wir ein wenig entspannen. Weiter ging es zu Fuß durch Dublin, das übrigens keine besonders schöne Stadt ist meiner Meinung nach - nicht so häßlich wie viele andere, die ich kenne, aber auch nicht so schön, daß es mich umhaut. Für eine Großstadt okay, fand das Landhummelchen, und brummte Richtung Bier.



Hui, dabei hatte ich noch gar keines intus.


Die Ausstellung im Guinness Storehouse ist 3 Stockwerke lang informativ. Man arbeitet sich quasi von unten nach oben vor. Man lernt allerlei über Hopfen und Gerste, Wasser und Röstmethoden, und natürlich über die Geschichte der Brauerei. Das sogar ganz bezaubernd in einem Raum voller sprechender Bilder (ja wirklich, wie in Hogwarts). Auf matten Bildschirmen beginnen historische Persönlichkeiten dem Besucher, der nahe genug herantritt, ein kleines Stückchen ihrer eigenen Geschichte zu erzählen. Wenn niemand vor ihnen steht, lächeln sie einfach nur, oder winken, oder trinken ein Bierchen. =)
Ab dem 4. Stockwerk ist es eigentlich nur noch eine große Werbekampagne, aber gut, wer schon so etwas besucht, hat vermutlich nichts dagegen, mit "Guinness is good for you" bombardiert zu werden. Ich jedenfalls hatte nichts dagegen, obwohl normalerweise Werbungshasser.



Wenn man dann den 7. Stock erreicht, tritt man dort in eine Bar mit Rundherumbeglasung, so daß man über die gesamte Stadt gucken kann. Eigentlich wie im Berliner Fernsehturm, nur mit dem Unterschied, daß in Dublin die Häuser so niedrig sind, daß man nicht 300 Meter hoch fahren muß, um über die gesamte Stadt zu blicken.
Wir bekamen ein perfekt gezapftes Bier, das sich erst noch absetzen mußte:


Und das mir ehrlich gesagt überhaupt nicht geschmeckt hat… sehr seltsam. In jeder anderen Bar in Irland war es lecker. *grübel*
Wir genossen den Rundumblick:



Da steht der kleine Kerl und schwenkt das Kreuz. ^^

Auf dem Rückweg gingen wir in einen der vielen veganen Läden, deckten uns mit unglaublich leckerem Pseudokäse, Joghurt und Aufstrich ein und stapften dann ziemlich fertig wieder in unser B&B. Das war übrigens auch total süß vom Keller bis zum Dach mit alten Theaterplakaten dekoriert, und selbst die Zimmer hatten Namen nach Theaterstücken, die irgendwann mal in Dublin aufgeführt wurden.