Freitag, 16. August 2013

Freitagsfüller & Irland 07 - Schottenrocktreffen

Erst den Füller.

1. Was wäre, wenn das was Echtes wäre, was ich mir wünsche? Wenn es real wäre? Wenn ich es hätte, alles, was ich mir mein Leben lang schon vor mich hin erträume? Würde ich damit das anfangen, was ich jetzt glaube damit anfangen zu wollen?

2. Ich genieße derzeit beim Autofahren das Gefühl meiner nackten Arme in der Sonne. 

3. Nächste Woche hat meine älteste Nichte Geburtstag.

4. Ich habe vorgestern einen alten Tagebucheintrag gelesen, in dem ich meinen verstorbenen Hund bitte, daß er nochmal zu mir zurückkehrt. Möglichst diesmal gesund und so, daß er auch alles genießen kann, was die Welt dem besten aller Labradore zu bieten hat.

5. Ich fordere mir zuviel ab. Vor allem emotional. Ich bemerke, daß mir die Arschleckhaltung auf der Arbeit gut tut, und ich denke, ich versuche das jetzt auch einfach mal privat. Ich muß mir nicht alles zu Herzen nehmen - was man dorthin nimmt, bleibt ja leider oft hängen. Jetzt reicht's. Wer glaubt, seine Launen auf mich übertragen und mit mir herumzicken zu müssen, wird ab sofort ignoriert. Ich habe einfach keine Kraftreserven mehr, die man noch aussaugen könnte. Hier ist Schluß.

6. Ich muß gleich wieder auf den Weg zur Arbeit machen, er ist ziemlich exakt 60 km lang und führt durch die landschaftlich reizvolle Mark Brandenburg.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Onlinegesellschaft, mal gucken, ob das klappt, morgen habe ich geplant, endlich wieder mal meine Gesangslehrerin aufzusuchen und vielleicht im Anschluß noch meinen Bruder, und Sonntag möchte ich ein umfangreiches Konzept für Job B schreiben (*tonlos* hurrah!).

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Irland 07 - das war ein Sonntag. Aus reiner Neugierde wollten wir mal in einen Gottesdienst. Nicht, daß meine Mutter viel davon gehabt hätte, so ganz ohne Englischkenntnisse. Aber sie schloß sich an. Die Wahl zwischen katholisch und protestantisch verweigerte sie, also traf ich die Entscheidung für die Katholiken - näher an Patrick dran, dachte ich einfach.
Das erste, was auffiel, war, daß in die Kathedrale mehr Menschen strömten als wir für die Gesamteinwohnerzahl von Armagh geschätzt hätten. Wow. (Wenn hier in unserer Dorfkirche 9 Leute sitzen, kriegt der Pfarrer schon ein extatisches Leuchten in den Augen.)
Das nächste, was auffiel: Es gab keine Musik. Überhaupt keine Musik. Nichtmal ein Orgelstück am Anfang, obwohl die Orgel dort prächtig aussah. Es gab ohnehin keinen richtigen Anfangspunkt, sondern mitten in all dem Bänkerutschen und Füßescharren und Murmeln der Leute standen sie irgendwann alle auf, als der Priester hereinkam, aber nicht etwa leise, sondern da wurde weiter gemurmelt, einige kamen noch bis zu 15 Minuten später und das Ganze hatte etwas von einer Nachmittags-Schul-AG.
Aber es wurde auch nicht gesungen mit der Gemeinde. Der Kirchenchor, erklärte der Priester im Laufe der Messe, habe gerade Sommerferien, deshalb würde er selbst jetzt ein schwungvolles Lied vortragen. Was er auch tat. Ich grinste über alle 4 Backen, denn der Priester war ein Afrikaner, der offenbar nicht als Gast da war, sondern das Heimatland gewechselt hat. In der Predigt ging es um Gastfreundschaft. Er redete sich in Rage, sang dieses lustige Lied und erzählte einen Schwank aus seinem Sabbatical, das er in Afrika verbracht hatte - wie er beim Abschied seinen Leuten dort gesagt habe, er würde jetzt nach Hause fahren, denn in Nordirland wäre er so herzlich aufgenommen worden, daß es für ihn das echte Zuhause sei -, und die ganze Zeit keine Reaktion von diesen Hunderten Menschen. Sie nahmen alles reglos zur Kenntnis und als der Spaß vorbei war, flossen sie ebenso leicht in ihren Alltag zurück, wie sie in die Kirche geflossen waren.

Wie ist das - Ihr Katholiken unter den Lesern - gibt es denn sowas wie Gemeindelieder im liturgischen Ablauf wirklich gar nicht? Wozu dann das Gotteslob? Das ist doch verdammt trist so. Und es hatte sowas von Frontalunterricht. Man wartet, bis der Typ da vorne fertig ist, dann darf man nach Hause. Aber es muß doch auch interaktivere Gottesdienste geben, wo man als normaler Christ nicht nur zusieht, wie jemand anders Gott dient, sondern sich selbst beteiligen kann.

Jedenfalls hatte ich meinen Spaß - ich mag ja katholische Messen und muß dabei immer an eines meiner literarischen Lieblingszitate denken: Uffstehn, hinsetzn, uffstehn, hinsetzn… =D

"Wat brauchst Jrundsätze, wennde een Apparat hast?" … Herrlich.

So. Dann fuhren wir ins Argory. Das ist ein Landhaus in der Hand des National Trust, und dort fand das "Argory Tartan", das jährliche Schottenrocktreffen statt. Wuuuundervoll! 

Mehrere Jugendgruppen aus der Gegend führten Drum Major (Tambourmajor) Märsche vor. Sie haben diese Stöcke, mit denen sie bestimmte Bewegungsmuster abwickeln, von schlichtem Hochhalten - 2 - 3 - 4 - seitlich halten - 2 - 3 - 4 - bis zu komplizierten Wurf- und Wirbelmustern. Total cool. 



Die Anlagen um das Herrenhaus selbst sind auch wunderschön:



Es wurde gedudelsackt, getrommelt und gepfiffen ohne Ende:




Hummel glücklich. Ich höre einen Dudelsack und in mir wird alles weit. Meine Mutter fand es, auf deutsch gesagt, scheiße. Naja, ich kann mancher deutschen Volksmusik auch nichts abgewinnen, also nur weil etwas folkloristisch ist, muß man es ja nicht mögen. ;-)

Einen Wettbewerb für Scottish Terrier gab es auch - der Rasen war voller kleiner Plüschbälle. Das hat die Hummelmama in ihrer Abneigung gegen schottische Folklore sehr besänftigt; die ganze Zeit stand sie verzückt vor irgendwelchen Cesars. =)

Außerdem gab es einen Tanzworkshop für schottische Volkstänze. Hummelchen ist eine halbe Stunde glücklich mit irgendwelchen Iren und Schotten durch einen kleinen Museumsraum getobt. Davon gibt es viele verschwommene Bilder von der Hummelmama, aber die zeige ich nicht her. ^^

Mittwoch, 14. August 2013

Kurze Statusmeldung

Ersten öffentlichen Auftritt mit Job B Ensemble abgeleistet. Bisher keine Rückmeldungen außer einer Klavierschülerin, die es gut fand.

Heute bei einer Sitzung im kleinen rahmen von der Prokuristin der Firma (einer Frau, die ich sehr bewundere) das Du angeboten bekommen sowie große Anerkennung dafür, wie ich mich vor 2 Wochen vor versammeltem Kreistag geäußert habe - klar strukturiert und von allen Empfindlichkeiten unbeeindruckt, sachlich und auf den Punkt. Direktor schloß sich an. Und auch meiner Meinung, daß das eigentlich traurig ist, wenn man bedenkt, daß ich das jüngste Mitglied der Firma bin, sowohl in Lebensjahren als auch in Dienstmonaten.

Arschleckhaltung stärkt das Rückgrat und hebt die Laune.

Schülerin kündigt mir Mitgliedschaft im Ensemble auf und setzt dabei fast das Büro unter Wasser, so tränenreich ist der Abschied. Ich bat, sie möge mir sagen, wenn mit meinem Führungsstil irgendwas nicht paßt. (Immerhin redet keine Sau mit mir, kritisiert wird immer schön hinterm Rücken, egal wie oft ich um Offenheit in der Kommunikation bitte.) Fazit: Ich binne nicht Schuld. Naja, wat sollse ooch saang, wenn se mit mir alleene im Raum is, arme Kleene. Immerhin hat sie sich überreden lassen, bis zum musikalischen Supergau Supergig Ende September durchzuhalten.

Mit jemandem telefoniert, den ich noch gar nicht kenne. Glücklich.

Erfahren, daß ich morgen früher Schluß habe. Super. Alle Daumen hoch.


Dienstag, 13. August 2013

Kleiner akustischer Leckerbissen für zwischendurch

Ich habe gerade wenig Zeit, das Reisetagebuch weiterzuführen; nächste Folge also erst am nächsten Wochenende. Bis dahin dieses wunderbare Schmankerl ohne weitere Worte:


Hach, ich mag das Lied so gerne, und das ist eine der wenigen gesungenen Versionen, die bei mir keinen pinkfarbenen Brechreiz verursachen. ;-)

*summt und hummelbrummt glücklich vor sich hin*

Sonntag, 11. August 2013

Wochenrückblick

Es ist ungewohnt für mich, aber mein Körper ist seit 2 Tagen morgens um 7 schlagartig hellwach und in meinem Kopf summen meine Lieder. Aber bis ich den Wetterbericht gehört habe, mache ich eben mal wieder einen Wochenrückblick.

[Wetter] Heiß. Zwischendurch enorme Gewitter, in der Umgebung Hagelkörner mit 3-4 cm Durchmesser. Davon wurde es aber nicht kühler, nur tropischer.

[Gegessen] Frisches Brot mit leckeren veganen Aufstrichen (Papayango, hmmmmm...), Gemüseexperimente mit Glasnudeln, mal wieder Tiefkühlpizza (nur um nachher festzustellen, daß auf den besseren tatsächlich Käse aus Milch drauf ist; ich muß mir also wieder Pizzaschmelz bestellen und selbst backen).

[Getrunken] Wasser mit Holundersirup, Wasser aus Leitung. Kaffee, Bier, Met.

[Gemacht] Stundeneinteilungen, Konferenzen, Proben, mehr Konferenzen, Arrangements neu-, fertig- oder umgeschrieben, Telefonate mit diversen Jobstellen.

[Gefreut] Über unkomplizierte erwachsene Schüler.
Gestern ganz enorm über eine alte Schulfreundin, die nach 15 Jahren nicht-gesehen-nicht-gehört zu meinem Konzert kommen will - aus 300 km Entfernung. Die sich extra dafür ein Zimmer nehmen will. Ich glaube, egal welchen Beruf man ergreift, wenn man die Schulzeit in einem Musikinternat verbracht hat, versteht man immer diesen inneren Brand von Künstlern.
Über meinen Bruder.
Über mein Ensemble, das es nicht darauf anlegt, mein Selbstbewußtsein zu streicheln, was den Wert ihrer Anerkennung für meine Stücke ins Unermessliche steigert.
Über einen kooperativen Gymnasialdirektor.
Über das Wiedersehen mit meiner allerersten Klavierlehrerin, mittlerweile um die 80. Ich darf sie Isolde nennen. =)
Über meine alte Kinderchorleiterin, die mich fragte, ob ich im Konzert dann auch das Lied singe, das ich mit 14 mal fürs Abschlußfest im Chorlager geschrieben habe, und an das sie bis heute total begeistert zurückdenkt. (Ich hab's natürlich längst weggeworfen, sonst wäre ich nicht ich.)

[Geärgert] Ja. Etwas, das mich nicht in dem Sinne geärgert, sondern einfach sehr gekränkt hat.
Dann eine komplette Klavierklasse in einer 60 km entfernten Außenstelle, die alle nicht zur verdammten Unterrichtseinteilung kommen bis auf eine einzige Mutti. Dabei mache ich das extra nicht telefonisch sondern vor Ort, damit die Eltern sich auch untereinander leicht und einfach mit Fahrgemeinschaften usw. abstimmen können. Als hätte ich zu Hause einen Tankgeldscheißesel und eine Extrastundenschenkuhr.
Und über Job B sage ich schon gar nichts mehr, so viel Ärger gehört nicht auf mein Blog.
Über eine Ärztin, die mir ernsthaft erklärt hat, wie 'man' richtig Klavier spielt und daß die Haltung, die ich einnehmen sollte (aber gar nicht einnehme und bei meinen Schülern auch immer korrigiere) meine Probleme verursachen könnte. Ich habe ihr gezeigt, wie ich tatsächlich sitze, aber - ihre Tochter spielt Klavier, da komm ich natürlich nicht ran.
Über die Prioritäten einiger Leute.

[Gedacht] Versteht denn wirklich niemand, was mir das bedeutet?
Und: Kann diese Sitzung bitte enden, bevor mir im Schlaf Sabber aus dem Mundwinkel läuft?
Und: Das ist total verrückt. Egal, das ist total schön. 
Und: Das ist aber ein netter Kollege.
Und: Oh Gott, das ist die Handschrift meines Exmannes.
Und: Is' nich' Euer Ernst, nä?
Und: Reiß Dich zusammen, Hummel, Du schaffst das auch alleine.
Und: Sie werden es töten und dann werden sie sagen, das ist zu meiner Zeit passiert. Und sie wissen, daß ich es weiß, und lächeln mir dabei ins Gesicht.
Und: Scheiße, scheiße, scheiße, ich arbeite hier voll für eine 2/3 Stelle, die immer noch nicht genug einbringt, um mal am Ende des Monats nicht in den Roten zu sein. Wann hört das endlich auf?! Ich bin jung, gesund und sehr bereit, zu arbeiten, und ich kann noch immer nicht davon leben - ein Mensch ohne teure Laster in einer 1,5 Zimmerwohnung in Ossiland. Das kann doch nicht wahr sein!

[Gefühlt] Kribbeln im Bauch. Rührung. Gekränkte Eitelkeit. Enttäuschung. Positive Überraschung. Freudige Erwartung ebenso wie ängstliche Erwartung. Wut. Angenervtsein. Nervosität. Totale Überforderung.

[Musik] Dem Himmel sei Dank hat Job A noch nicht wieder angefangen. Job B ist gerade eine Art Erdrutsch, dessen Ende erst in den Oktoberferien absehbar ist. In der ersten Schulwoche eine "Anfrage" (Marschbefehl) für ein Konzert in der zweiten Schulwoche. Yeah, yeah, yeah. Nach 6 Wochen Ferien kieksen meine Trompeter schon beim E'', aber bitte, natürlich spielen wir gerne. Angst vor einer absolut fachfremden Registerprobe, die ich ab sofort übernehmen muß, und dem Musiktheoriekurs (da allerdings nur in Bezug auf den Flohhaufen, der mich vermutlich erwartet).
Vorbereitung für mein Konzert läuft jetzt auf Hochtouren und ich bete, daß alles soweit glatt geht, wie nur möglich. Keine Rückmeldung bisher von der engagierten Sopranistin. Cello kann nicht zum Soundcheck kommen. Frage mich, ob wir überhaupt einmal vorher wirklich alle eine Probe zusammen haben oder nur immer ich mit einem Bruchteil der Leute (sind immerhin außer mir noch 8 auf der Bühne). Warte auf Anruf aus dem Tonstudio, um das Mastering anzuleiern und wenigstens ein paar CDs hinlegen zu können.

[Alltag] Was ist das? Nein, im Ernst: Manchmal stehe ich vor meinem Kühlschrank und denke: Hmm, Zeit zum Einkaufen muß man eigentlich auch noch einplanen. Hiobsbotschaften wie die von den Selbstmordversuchen meines Onkels, die von der Einlieferung einer ganz lieben Bekannten in die Psychiatrie wegen so schwerer Depressionen, daß selbst die Ärzte sagen, sie haben so etwas selten erlebt und noch mehr davon kommen Hand in Hand mit Arbeitsstress und Kooperationsverweigerung durch die Leute im Job, auf die es im Wesentlichen ankommt.
Ich habe ja meinen persönlichen Therapiehund, der reißt alles wieder raus.

[Gekauft] Eine Handgelenksschiene und eine Stütze für die PC-Tastatur. Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit ergab nichts - Thema meines Lebens, alles tut weh, keiner findet was - aber da das Problem mit meinem linken Arm ebenso wie das mit meinen Ohren leider nicht einfach verschwindet, wenn ein weiterer Arzt sagt "Da ist nichts", kümmere ich mich halt selbst darum.

[Spirituelles] Stoßgebete.

[Neu] Bis auf die Armstütze noch meine ersten, vorsichtigen Flirtversuche. Und meine "Leckt mich" Haltung auf der Arbeit, die mittlerweile meinen Optimismus ersetzt hat.

[Und sonst so] Heiß, kalt, heiß, kalt, heiß, kalt…



Freitag, 9. August 2013

Freitagsfüller und Irland 06 - Gosford Park

Erstmal der Freitagsfüller, wie immer hier gemopst.

1. Ich oute mich als Karl-May-Liebhaber. Eigentlich wollte ich mich als Chaot outen, aber zum Einen wissen das die meisten schon, zum Anderen kam mir dieser Blogpost von Flauschi dazwischen.
Karl May und Winnetou sind einfach unübertroffen. Diese aufrichtige Unschuld, die aus diesen Büchern spricht… ich hätte den Mann zu gerne kennengelernt.
Wie sich mitten in der Prärie ein paar Sachsen treffen… Wie da komplizierte Familienverhältnisse konstruiert werden und am Ende immer diejenigen siegen (wenn auch manchmal leider tot), die ein reines Herz haben… Karl Mays leidenschaftliche Brandreden gegen die Unterdrückung anderer Völker durch die Weißen, obwohl er sehr stolz darauf war, ein Deutscher zu sein. Seine klugen und immer für die Liebe plädierenden theologischen Dialoge. Seine witzigen Charaktere. <3 <3 <3 Ich liebe es.

2. Seit einigen Wochen passiert bei mir jeden Tag etwas Neues. Ich werde pausenlos heiß-kalt geduscht und habe kaum mal einen Moment, in dem ich mich daran erinnere, wie es war, normal zu sein. Von der für mich gänzlich neuen und beglückenden Erfahrung unbeschwerten Flirtens zu einem total lieben Onkel, der in den letzten Tagen 2x versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Von meinem wunderbaren Ensemble, das fast schüchtern fragt, ob ich damit einverstanden sei, wenn wir mehr Stücke von mir ins Programm nehmen würden oder sogar dauerhaft ein ganz eigenes nur aus diesen Stücken bauen ("dann können wir die ganzen nicht so tollen Sachen mal rausschmeißen") zu einem Job B, wo nur intrigiert, denunziert und gegeneinander ausgespielt wird.

Ich weiß nicht, ob ich das schonmal gezeigt habe, aber mir gehts derzeit permanent so wie dem armen Kerl hier in der Mitte:


3. Das beste Mittel gegen ein durchhängendes Selbstbewußtsein ist eine gute Freundin.

4. Jetzt kommt hier schon wieder die Vorgabe Nagelstudio. Und ich kann noch immer nichts dazu sagen. =)

5. Je Ulster desto glücklich.

6. Der erste Geiger hat seinen Kindern nachgegeben und sich einen Hund zugelegt. Unsere Probenatmosphäre war schon immer fantastisch, aber jetzt ist sie vollkommen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf die Einteilung meiner Freitagsschüler, morgen habe ich geplant, wieder einiges für's Ensemble zu erledigen und Sonntag möchte ich den Kopf so zumachen wie die Tür und nichts mehr reinlassen, was nicht durchs Wohlfühlraster paßt. Ich muß mir Pausen schaffen.

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Zurück nach Irland. Am Samstag hatte die Mama Geburtstag und wir sind knapp südlich von Armagh in den Gosford Forest Park gefahren, ein riesiges Anwesen (eigentlich kaum ein Park, mehr ein Wald) rund um Gosford Castle. (Klingt das nicht wie ein Romantitel einer Bronte-Schwester?)
Hierzu ist nicht viel zu sagen, außer: heiß, grün, wunderschön.


Hummel und Hummelmama sind Waldfetischisten. Meine Augen trinken Grün wie ein Lebenselixier. Ich bilde mir ein, irgendwann mal gelesen zu haben, daß es gesundheitliche Schäden nach sich zieht, wenn man über einen sehr langen Zeitraum kein Grün sieht. Aber ich krieg's grad auf die Schnelle nicht ergoogelt. Also - hier bitteschön, Eure heutige Dosis.





Plötzlich irgendwo Wildspuren, zwischen den Spuren der Spaziergehhunde.


Ein kleiner Teich, auf dem eine große Entenfamilie lebte:


Witzige, knotige, einzigartige Wuchsformen:




Hin und her geht es zwischen kleinen Brücken und gekiesten Wegen wieder in die halbwilde Waldlandschaft:



Manchmal halb dämmrig wie ein Märchenwald (keine Ahnung, was mir hier links unten in der Linse war):


Lebensbäume, die es weit über die Heckengröße hinaus geschafft haben:


Der kleine blaue Fleck da bin ich - mal so als Größenvergleich:




Was wäre ein Tag in Irland ohne einen Hauch von Patrick?


Unverhofft stolpern wir über die Ruine eines kleinen, aber sehr hübschen Häuschens. Vielleicht mal das Wildhüterhaus oder etwas dergleichen.


Und gleich danach beginnen auch schon die Schloßanlagen. Man kann sich förmlich eine Lady vorstellen, die im Damensitz die Alleen hinunter- und über das Anwesen reitet:



Diese Birke hat mich sehr fasziniert. Sie war riesig und die Wurzeln wirkten tatsächlich, als würde der Baum mit einer Hand in den Boden greifen.




Gosford Castle selbst war leider nicht zu besichtigen, ja, man durfte nicht einmal in die Nähe. Das Gebäude bzw. der Komplex wirkte auch wirklich sehr unnahbar, mit Stahltüren und so weiter.


Nach knapp 3 Stunden (ja, wir haben uns verlaufen!) wieder ein Zeichen von Zivilisation:



Am Abend dann wurde unser übliches "tall, dark, handsome" (bzw. in Mamas Fall 'tall, blond, handsome') ergänzt durch ein Gläschen Bushmills. Yummie. Ich konnte meine Mutter überreden, es mal zu probieren, und siehe da, sie wollte ein zweites Glas.


Montag, 5. August 2013

Irland 05 - Bangor, Movilla, Downpatrick

Am Freitag hat meine Mutter gestreikt. Die Hitze machte uns zu schaffen (das Hotelzimmer war auch wirklich nicht auf eine Hitzewelle vorbereitet, schließlich befand es sich in Nordirland) und das Auto hatte keine Klimaanlage - sie wollte den Tag mit einem Kaltgetränk und einem Sudokuheft bei möglichst wenig körperlicher Aktivität verbringen. Also zog ich alleine los und machte gleich eine schön riesige Tour über den St Patrick's Trail, der über eine ganze Menge Ortschaften im östlichen Nordirland führt. 

Zuerst fuhr ich auf die Autobahn Richtung Belfast. Die M1 fährt sich sehr unkompliziert, wie überhaupt die Autobahnen total gut ausgeschildert und die Verkehrsführung simpel sind. Unterwegs probierte ich mal das Autoradio aus. Wie zur Begrüßung im alten Ulster kam als erster Sender ein BBC Klassikradio, das mir die Hebridenouvertüre vorspielte. Sehr schön. =) (Ganz unten im Post ist ein Musikvideo, wer beim Lesen auch die Hebriden hören und fühlen möchte…)
Danach wechselte ich auf einen Sender, der mir eine halbe Stunde Interview auf Gälisch anbot, was ich sehr genoss, obwohl ich nur ein einziges Wort verstand. Immerhin kam das mehrmals vor. ^^

Kurz vor Belfast war mitten auf der Autobahn ein Kreisverkehr. Ich machte Stielaugen, aber das System funktioniert offenbar auch bei hohen Geschwindigkeiten. Schade für Mama, die die englische Bezeichnung "Rundherum" für Kreisverkehre so liebte, daß sie die ganzen 12 Tage geübt hat, Roundabout auszusprechen, dieser hier hätte sie sicher begeistert. 

Dann war kurz Stadtautobahn und eine halbe Stunde nach Belfast landete ich in dem kleinen Städtchen Bangor. Hier wußte ich ausnahmsweise schon vorher relativ gut darüber Bescheid, was ich eigentlich sehen wollte. Über mein ganz persönliches Erleben Bangors schreibe ich vielleicht nochmal ausführlicher an privaterer Stelle, aber hier erstmal so viel: Das Kloster, das den Ort bekannt gemacht hat, gibt es schon seit hunderten von Jahren nicht mehr. Es wurde im 6. Jahrhundert von St Comgall gegründet und erreichte auch zu seiner Zeit als Abt bereits seine erste und größte Blüte. Allein zu Comgalls Lebzeiten sollen mehrere tausend Menschen dorthin gezogen sein, um zu lernen. In den kommenden 400 Jahren wurde es immer wieder überfallen, wie so viele Klöster, und ausgeraubt & niedergebrannt. Verdammte Wikinger. Daher sind auch z.B. vom Antiphonarium nur Bruchteile überliefert.
Im 12. Jahrhundert baute St Malachias (der übrigens aus Armagh stammte, dort Erzbischof war und angeblich in den Armen Bernards von Clairvaux gestorben sein soll) das Kloster von Grund auf neu, dort, wo er glaubte, daß das alte gestanden habe. Dieses starb einen langsamen Tod - im 16. Jahrhundert wurde es salopp ausgedrückt aus Mangel an Interesse geschlossen.

Heute steht hier die St Comgall geweihte Gemeindekirche der Anglikaner - Bangor Parish Church - inmitten eines schönen alten Friedhofs irischer Art. 


Man betritt den Kirchhof durch St Malachy's Wall, das letzte erhaltene Stück aus Malachias' Kloster.

 

Ein paar schöne Kreuze und viele alte Grabsteine, die als Horrorfilmdeko dienen könnten. ;-)


An der Wand neben der Eingangstür dieses schöne Gedenkschild an St Columbanus, einen Schüler St Comgalls, der zu den ersten iroschottischen Missionaren gehörte, die den Weg auf's europäische Festland genommen haben. Er hat seinen Lehrer und Abt Comgall zweimal darum gebeten, gehen zu dürfen, und erst beim zweiten Mal (da war er schon um die 50 Jahre alt) die Erlaubnis bekommen. Und es stellte sich als genau der richtige Weg für diesen Mann heraus.


Ich finde es auch einerseits amüsant, andererseits anrührend, wie erst ein St Patrick von Frankreich nach Irland ging, um dort die Saat zu legen, und dann seine Schüler und Nachfolger im Geiste nur Jahrzehnte später die kleinen Pflänzchen zurückgetragen und überall zwischen Nordirland und Rom ausgepflanzt haben.


Da die Kirche nicht unbedingt ein touristischer Anlaufpunkt ist (Nerds wie ich sind selten), ist sie nur 2 Stunden am Nachmittag für Besichtigungen offen. So lange aber wollte ich nicht warten - zum Einen hatte ich mir fest vorgenommen, es heute vor 16 Uhr noch einmal nach Downpatrick zu schaffen, zum Anderen habe ich hier etwas erwartet, das nicht eintraf. Nichts an dieser Kirche hieß mich willkommen. Nichts erschien mir vertraut.
Dieser Besuch war also deutlich kürzer als erwartet, und da ich eine Stunde Parkzeit hatte, dachte ich mir, ich gehe noch ein wenig ins Grüne auf den Hügel hinter der Kirche. Und hier dann endlich das, wonach ich gesucht hatte. Das Gefühl von Erkennen und Vertrautheit, obwohl nichts, aber auch gar nichts darauf hindeutete, daß irgendwo in diesem halben botanischen Garten, durch den ich da rannte, jemals klerikales Leben stattgefunden hätte. 


Dennoch, ich wußte, hier würde ich finden, wonach ich gesucht hatte. Ich bat um Führung, um irgendein Zeichen (genaugenommen dachte ich innerlich etwas ungeduldig "Ey Jungs, Ihr wißt doch, weshalb ich hier bin, jetzt zeigt mir doch endlich, wo es ist") und bekam beides.



Innerhalb weniger Minuten stand ich an dem Platz, an dem alles in mir irgendwie einfach an die richtige Stelle zu rutschen schien. Allerdings war dieser Platz ein Schloß aus dem 19. Jahrhundert, das jetzt ein Hotel ist. Aussichtslos, hier noch nach irgendwelchen Spuren von vor eineinhalb tausend Jahren suchen zu wollen - selbst die Bäume standen damals noch nicht hier. Aber dann fiel mein Blick auf einen etwa brusthohen, unauffälligen Stein mitten auf dem Hotelparkplatz, und da fing es wieder innerlich zu wummern an:




Danke, Jungs. Danke. Ist doch immer wieder schön, festzustellen, daß man doch keinen an der Waffel hat. Jedenfalls nicht allzu schlimm. ^^

So. Freudestrahlend und jede Menge Freudentränen auf die unschuldige Sonnenuhr vergießend brach ich dann auf, denn ich wollte die Ruine des Klosters von Finnian of Moville sehen. Zunächst fuhr ich nach Millisle, einem kleinen Ort an der Ostküste dieser Halbinsel, die den Strangford Lough im Osten begrenzt, und aß dort mein veganes Käsebrot an einem Strand, der eher nach Griechenland als nach Irland aussah.



Danach verbrachte ich eine frustrierende halbe Stunde damit, einen in keiner Weise ausgeschilderten Ort zu suchen, in einer Gegend, in der es nur Feldwege zu geben schien. Irgendwann verfolgte mich ein Wagen, Kilometer für Kilometer. Als mir das mulmig wurde, fuhr ich links ran, und der andere Fahrer stellte sich ganz nah an mein Auto, ließ das Fenster runter und sagte: "I've been following you for about 5 miles, because you look lost. Where do you want to go?" Und lieferte mir eine Ortsbeschreibung. Und da war es:




Diese Ruine wirkte auf mich fast abstoßend. Rundherum ist ein gigantischer Friedhof gewachsen, und ich hatte das Gefühl, das Kirchlein wurde davon erstickt wie von einem Geschwür. Das ist schade, denn es ist wirklich niedlich. Sehr klein, vielleicht 5, 6 Meter hoch, und ursprünglich bestimmt mal sehr hübsch. Nun gut. Jetzt war es schon 14 Uhr und ich fuhr erst den ausgeschilderten St Patrick's Trail Richtung Süden, doch da er am See und nicht am Meer entlangführte, verließ ich ihn bei der nächsten Gelegenheit zugunsten der anderen Küste. Die war wieder eher wie Südeuropa und nicht wirklich mein Fall, was Naturschönheiten angeht, aber okay.

In Portaferry nahm ich die Fähre nach Strangford:


Und in Nullkommanix war ich wieder in Downpatrick. Und JAAAA, der Shop hatte offen. Und das bißchen Kirche, das zufällig die Shopwände bildet, war damit ebenfalls begehbar.
Im Eingangsbereich steht dieser Taufstein, der mal das Fußstück eines offenbar riesigen Steinkreuzes gewesen ist. Dahinter erhebt sich die Orgel auf einer offenen Empore und bildet sozusagen die Wand. Man geht unter der Orgel hindurch durch verschließbare Türen, aber oben auf der Empore ist die Wand immer offen. Das fand ich wirklich faszinierend.


Im Inneren war alles relativ normal - keine Begeisterungsstürme von meiner Seite, außer für diese Fenster. Es ist eigentlich nur 1 Fenster, aber eben in 4 Abteilungen. Die linken beiden zeigen Patrick als Sklaven, die rechten als alten Mann, und jeweils bei derselben Tätigkeit: Eine Herde zu hüten. Erst Schafe, dann Christen. Wieder sehr liebevoll gestaltet.



Ein Apostelfenster, an dem mir der blonde Jüngling John besonders ins Auge fiel:


Und dieses großartige Familienwappen mit dem Wahlspruch "Animo non Astutia", was soviel bedeutet wie "Mut/Beherztheit, nicht Geschicklichkeit". Ja, das kann nur zu einem schottischen oder Nordirischen Clan gehören - da Irland ja früher in 4 Bereiche geteilt war und dem oberen, Ulster, der Krieg zugeordnet wurde. (Alle anderen hatten so tolle wie Musik und Gerechtigkeit, aber die Hitzköpfe da oben, naja.)


Ich betrat auch den Shop. Jawohl. Ich habe nichts gegen Shops. Genauso, wie ich es aushalte, wenn Leute in Konzerten applaudieren, obwohl sie nach manchen Stücken einfach mal die Klappe halten sollten  mehr davon profitieren würden, einen inneren Nachklang zuzulassen. In diesem Shop jedenfalls gab es Büüücher, Bücher, die dazu geführt haben, daß ich beim Rückflug auf Gepäckgewichtsüberschreitung Strafe zahlen mußte.

Wieder draußen zog es mich geradezu magnetisch zurück zum Grab. Es war ein strahlend sonniger Freitag, mitten in der Sommer-Touristenzeit. Und niemand war da. Niemand, nicht eine Seele außer mir. Genau das hatte ich mir tags zuvor gewünscht - hier noch einmal sitzen und völlig ungestört sein. Das empfinde ich als großes Geschenk, das mir gewährt wurde. Heute waren die Blumen von gestern verweht und die Münzen verschwunden. Eine einzelne Münze lag neu exakt in der Mitte des eingravierten Kreuzes. Und einige habe ich dazugelegt. Ich gehe davon aus, daß Menschen, die dieses Geld auf abendlichen Beutezügen einsacken, es nötig genug haben, um es ihnen von Herzen zu gönnen.


Blick von St Patrick's Grave auf Downpatrick: